Donnerstag, 17. September – Rucksack packen und Busglück
Am Donnerstag erledigen wir auf der Cachana noch ein paar Arbeiten: den Blog fertig schreiben, etwas vorbereiten und natürlich packen für unser nächstes Vorhaben.
Am Nachmittag geht’s los. Mit vollgepackten Rucksäcken kämpfen wir uns den Hügel hinauf zur Busstation und sammeln damit bereits die ersten Höhenmeter unserer geplanten Wanderung.

Der Bus kommt mit einer guten Viertelstunde Verspätung.
Das wäre normalerweise nicht weiter schlimm – nur müssen wir in Trégastel auf den letzten Anschlussbus des Tages umsteigen.
Leicht nervös fragen wir den Buschauffeur nach unserem Anschluss. Der schaut uns schmunzelnd an und erklärt, dass er selbst auch unseren Anschlussbus fährt. Derselbe Bus bekommt in Trégastel einfach eine andere Liniennummer.
Sehr praktisch! Damit können wir die bereits im Kopf gestartete Suche nach einem Taxi wieder abbrechen.
Glück gehabt.
In Perros-Guirec angekommen, spazieren wir zum nahegelegenen The Originals Boutique Hotel. Ein hübsches Hotel – gefällt uns!
Danach erkunden wir den Ort. Perros-Guirec ist sehr touristisch, aber auch wirklich schön, mit vielen alten Gebäuden und einer speziellen Kirche.

Auf dem Dorfplatz ergattern wir noch ein schönes Plätzchen und bestellen einen Kir Breton.
Natürlich haben die Bretonen auch hier wieder ihre eigene Variante: Cidre mit Cassis oder einem anderen Fruchtlikör. Sehr fein und ausgesprochen durstlöschend!
Und wie es sich gehört, geniessen wir unser Nachtessen anschliessend in einem gemütlichen Restaurant.
Freitag – Jetzt wird’s rosa!
Am nächsten Morgen geht es richtig los.
Vor uns liegen knapp 15 Kilometer Küstenweg von Perros-Guirec nach Trégastel.

Eigentlich keine gewaltige Distanz.
Eigentlich.
Denn wir kommen nur sehr langsam vorwärts. Gefühlt müssen alle paar Meter wieder Fotos geschossen werden!



Und sogar der Schreiber muss zugeben, dass nicht nur Susanne dafür verantwortlich ist. Auch er bleibt immer wieder wie angewurzelt stehen und bestaunt fasziniert die skurrilen rötlichen Felsformationen.

Manche sehen aus wie riesige Tiere, andere wie Köpfe oder Fantasiefiguren. Und hinter der nächsten Kurve sieht es schon wieder völlig anders aus.

Diese Küste ist wirklich etwas Besonderes.

In Ploumanac’h machen wir Pause.

Und was passt besser zu einer bretonischen Wanderpause als ein paar Austern?

Sehr lecker!




In Trégastel angekommen, schleppen wir unsere inzwischen etwas müden Beine noch den Hügel hinauf zum Hotel Bellevue. Auch hier: ein nettes Hotel, das gefällt!
Die Beine hingegen sind froh, dass für heute Schluss ist.
Am nächsten Morgen geht es weiter.

Heute liegen rund 20 Kilometer vor uns, bis wir wieder bei der Cachana in Trébeurden sind.

Die erste Hälfte der Wanderung führt erneut der Küste entlang. Langsam verändert sich die Landschaft. Die riesigen, skurrilen roten Granitformationen werden weniger. Dafür sehen wir kleinere Felsen und Steine und unzählige Buchten.


Sehr hübsch.
Nur haben diese Buchten einen kleinen Nachteil: Wir müssen um jede einzelne herumlaufen!
Und unglaublich , wir glauben es kaum, kommt Regen auf. Kein einziger Wetterbericht, na ja einer von 8, hat Feuchtigkeit prognostiziert. Es ist nicht wirklich Driesel, nein. Innert Kürze sind wir durchnässt. Jedenfalls die Beine. Oben haben wir wie immer den Regenschutz dabei. Die schottische Küste lehrt einem :-))

Na ja, dann ins nächste Restaurant. Ist ja eh Mittagessenszeit. Viel Auswahl hat es nicht. Aber wie Ihr sehen könnt, TOP



Immer wieder sehen wir Boote, die bei Ebbe einfach auf dem Trockenen liegen.

Noch immer ein faszinierender Anblick – besonders wenn man weiss, dass nur wenige Stunden später alle wieder friedlich im Wasser schwimmen werden.

Die zweite Hälfte des Weges führt uns durch Wiesen und Wälder.

Ganz anders, aber ebenfalls wunderschön und abwechslungsreich.

Endlich erreichen wir Trébeurden.
Aber natürlich laufen wir nicht direkt zur Cachana.
Nein.
Wir kämpfen uns zuerst noch den Hügel zum Intermarché hinauf. Schliesslich wollen wir ein paar feine Sachen einkaufen.
Und wir werden fündig!
Danach geht es endgültig zurück zur Cachana. Dort angekommen, schleppen wir uns zuerst einmal unter die Dusche.
Das Abendessen fällt dafür genau richtig aus:
Raclette!

Satt, müde und sehr zufrieden fallen wir danach in unsere Koje.
Am nächsten Morgen schwächelt der Westwind etwas und wir laufen aus.

Die Segel werden gesetzt, und wir kreuzen Richtung Carantec.

Östlich davon finden wir eine einzelne Boje und machen fest.
Was für ein schöner Platz!

Rund um uns eine wunderschöne Landschaft und zahlreiche Austernfelder. Direkt vor uns liegt eine winzige kleine Insel, auf der tatsächlich eine kleine Burg steht.

Fast ein bisschen kitschig. Aber sehr hübsch!
Und was macht man an so einem Abend?
Natürlich. Grill aufbauen!

Zuerst gibt es ein paar Jakobsmuscheln,

danach feinen Kalmar mit Zucchini und Auberginen.

Und zum Dessert?
Ein Raclette-Brötchen.

Warum auch nicht!
Wir geniessen diesen Abend total.

Am Montagmorgen schlafen wir etwas länger.
Dann nehmen wir noch ein letztes Bad im Meer.

Und langsam merkt man, dass der Sommer zu Ende geht. Das Wasser ist deutlich kälter geworden. Das Thermometer zeigt nur noch 17,8 Grad.
Erfrischend!
Sehr erfrischend.
Am Nachmittag meldet sich endlich der Wind.

Wir setzen die Segel und machen uns auf die letzte kurze Fahrt dieses Törns nach Roscoff.

Ein etwas eigenartiges Gefühl: Zum letzten Mal auf dieser Reise Segel setzen.
In Roscoff angekommen, melden wir uns per Funk und fragen nach einem Platz für die nächsten drei Tage. Gleichzeitig möchten wir noch unseren Dieseltank auffüllen.
Nachdem die Cachana wieder einen vollen Bauch hat, fahren wir zu unserem zugeteilten Liegeplatz.
Alles bestens.

Die Sonne scheint und es ist richtig warm. Wir nutzen die Gelegenheit, bergen die trockenen Segel und legen sie schön gefaltet in den Bauch der Cachana.
Der Skip hat natürlich bereits kurz die Restaurantauswahl im Internet studiert.
Und konnte nicht widerstehen.
Also essen wir heute Abend im Restaurant Bellevue.
Der Name verspricht schon einmal einiges.
Und tatsächlich: La belle vue auf den Vieux Port ist wirklich wunderschön.
Aber das Essen …




Un rêve!

Dienstag – Ein Hummer bekommt fast eine zweite Chance
Am Dienstag geht es mit Aufräumen und Putzen weiter.
Am Nachmittag macht Susanne noch eine kleine Einkaufstour.
Sie kommt ausgesprochen zufrieden zurück.
In ihrer Einkaufstasche befinden sich ein paar Austern und ein kleiner Hummer. 🦞
Kurz darauf betrachtet Susanne unseren zukünftigen Hauptgang allerdings etwas genauer und bekommt plötzlich Zweifel:
„Sollen wir ihm nicht doch die Freiheit schenken?“
Der Skip erkennt die Gefahr für das geplante Nachtessen sofort und verschwindet ziemlich zügig mit dem Hummer in der Kombüse.
Damit ist die Diskussion beendet.

Und wenig später geniessen wir beide ein extrem leckeres Nachtessen.


Auch Susanne!
Am Mittwochmorgen ist Markt in Roscoff.
Also machen wir uns auf den rund 20-minütigen Fussweg ins Städtchen.
Der Markt gefällt uns: Abwechslungsreich, lebendig und natürlich mit vielen feinen Sachen.
Am Nachmittag wird weiter geräumt und geputzt.
Zum Abendessen gibt es dann konsequente Resteverwertung: Spiegelei mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und einer Kartoffel.

Damit ist tatsächlich fast alles aufgegangen.

Perfekt geplant!
Oder einfach Glück gehabt.

Donnerstag – Die Cachana kommt an Land
Am Donnerstagmorgen wachen wir mit einem etwas eigenartigen Gefühl auf.
Es war unsere letzte Nacht dieses Jahres auf der Cachana. 🥲
Beim Café in der Koje beschäftigen wir uns zunächst mit einem ganz praktischen Problem:
Wie bekommen wir unsere schweren Taschen zum rund 20 Minuten entfernten Hotel?
Wir stellen fest, dass um 8.40 Uhr ein Bus fährt.
Der nächste? Um 17.00 Uhr. Der Fahrplan ist auf die Fähre zwischen Plymouth und Roscoff abgestimmt.
Wir schauen auf die Uhr.
8.45 Uhr.
Und gepackt haben wir noch nichts.

Den 8.40-Uhr-Bus können wir damit ziemlich eindeutig von unserer Liste streichen.
Also telefonieren wir mit den beiden örtlichen Taxiunternehmen.
Beide geben uns dieselbe Antwort:
Keine Chance. Voll ausgebucht.
Wir versuchen es noch bei einem Taxiunternehmen im Nachbardorf.
Kurzes Zögern am anderen Ende der Leitung.
Dann die erlösende Nachricht: Sie sei um 9.45 Uhr zufällig in unserer Nähe. Sie könne uns schnell zum Hotel fahren – aber wir müssten bereitstehen!
Klar!
Jetzt kommt Bewegung in die Cachana.
Susanne springt auf und beginnt zu packen, Chérif reicht zu.
Und es muss natürlich gescheit gepackt werden: Was brauchen wir während der nächsten zwei Tage im Hotel? Was muss mit nach Hause? Was bleibt über den Winter auf der Cachana?
Mein Schatz ist unglaublich schnell.
Rucksäcke packen, Taschen schliessen, anziehen, Gepäck hochhieven – und alles auf einen der Gepäckrollis laden, die der Hafen für die weitläufige Anlage zur Verfügung stellt.
Dann schieben wir unser gesamtes Hab und Gut zum Hafenausgang.
Pünktlich stehen wir dort.
Und schon kommt unser Taxi!
Im Hotel angekommen erfahren wir, dass unser Zimmer im dritten Stock liegt.
Zum Glück dürfen die zwei schweren Taschen an der Rezeption bleiben.
Wir laufen zurück zur Cachana und machen sie bereit fürs Kranen.
Um 14.15 Uhr legen wir ein letztes Mal ab und fahren zum Kran. Die Gurte hängen bereits abgesenkt im Wasser.

Und jetzt geht plötzlich alles Schlag auf Schlag.
Ein Mitarbeiter kommt mit dem Schlauchboot und schiebt uns in die richtige Position. Gleichzeitig werden vorne die Gurte angehoben.

Die Cachana steht!
Wir werden gebeten, ins Schlauchboot umzusteigen.
Dann schwebt unsere Cachana auch schon aus dem Wasser, während wir mit dem Schlauchboot an Land gebracht werden.


Keine zehn Minuten später steht sie gerade und sicher auf ihrem Platz, der Kiel sauber unterlegt und das Schiff abgestützt.
So schnell ging das noch nie!
Und wer spricht hier eigentlich immer von französischer Ineffizienz?
Wir lernen den Werftchef François kennen, der auf uns sofort einen sehr sympathischen, kompetenten und vertrauenswürdigen Eindruck macht.
Er schaut sich die Cachana genau an und fragt nach, wo sich was befindet und was gemacht werden soll.
Das schafft Vertrauen.
Wir haben ein sehr gutes Gefühl.
Auch der Segelmacher, der uns über den Winter neue Lazybags anfertigen wird, macht einen ausgezeichneten Eindruck.
Nun wird endgültig aufgeräumt, alles kontrolliert und abgeschlossen.
Dann kommt der Moment:
Tür zu. Cachana abschliessen. Fertig für dieses Jahr.
Gegen 18.00 Uhr laufen wir Richtung Vieux Port zu unserem Hotel.
Natürlich nicht, ohne unterwegs noch einen kleinen Apéro-Zwischenhalt einzulegen.
Man soll so einen Abschied schliesslich nicht überstürzen.

Am Abend geniessen wir im Hotel ein ausgezeichnetes Nachtessen.
Am nächsten Morgen laufen wir tatsächlich noch einmal zur Cachana.
Natürlich haben wir ein paar Sachen vergessen!

Danach spazieren wir zu einem nahegelegenen Bauernhof, der die berühmten Roscoff-Zwiebeln verkauft.
Und mal wieder können wir nicht widerstehen.
Ein bisschen Bretagne muss schliesslich mit nach Hause.
Den restlichen Tag spazieren wir durch das hübsche Roscoff und geniessen einfach die Zeit.


Für unser letztes Nachtessen dieser Reise wollen wir es uns noch einmal so richtig gut gehen lassen.
Und was sollen wir sagen?
Ein Traum!



Ein würdiger Abschluss.
Samstag, 26. September – Heimreise

Um 8.50 Uhr steigen wir in den Bus nach Morlaix.
Von dort bringt uns der TGV nach Paris zum Gare Montparnasse.
Taxi!
Quer durch Paris zum Gare de Lyon.
Nach rund zwei Stunden Aufenthalt geht es mit dem nächsten TGV weiter Richtung Zürich.

Kurz vor 22.00 Uhr sind wir wieder daheim.
Hinter uns liegt eine wunderschöne Reise mit unzähligen Erlebnissen, herrlichen Segeltagen, spannenden Häfen, Gezeiten, Strömungen, Wanderungen, Begegnungen – und natürlich dem einen oder anderen sehr guten Essen.
Okay.
Vielleicht waren es auch ein paar mehr.
Die Cachana steht nun sicher an Land in Roscoff und darf sich über den Winter in einer geschlossenen Halle ausruhen. Und auch für unseren Blog beginnt damit die Winterpause.
Ein bisschen Wehmut ist natürlich dabei. Aber vor allem bleiben unglaublich viele schöne Erinnerungen.
Und wahrscheinlich werden wir die meisten von euch, liebe Leser, in diesem Winter ohnehin persönlich treffen.
Darauf freuen wir uns sehr – auf unsere Familie und auf euch, unsere lieben Freunde.
Danke, dass ihr uns auf unserer Reise begleitet, unsere Geschichten gelesen und ein Stück weit mit uns gesegelt seid.
Bis zum nächsten Törn!
Susanne und Chérif
Auch wenn’s manchmal ander’s aussieht möchten wir hier mal klarstellen, dass es immer eine Zusammenarbeit von Susanne und Chérif ist.