Von Trébeurden nach Roscoff ins Winterlager

Donnerstag, 17. September – Rucksack packen und Busglück

Am Donnerstag erledigen wir auf der Cachana noch ein paar Arbeiten: den Blog fertig schreiben, etwas vorbereiten und natürlich packen für unser nächstes Vorhaben.

Am Nachmittag geht’s los. Mit vollgepackten Rucksäcken kämpfen wir uns den Hügel hinauf zur Busstation und sammeln damit bereits die ersten Höhenmeter unserer geplanten Wanderung.

Der Bus kommt mit einer guten Viertelstunde Verspätung.

Das wäre normalerweise nicht weiter schlimm – nur müssen wir in Trégastel auf den letzten Anschlussbus des Tages umsteigen.

Leicht nervös fragen wir den Buschauffeur nach unserem Anschluss. Der schaut uns schmunzelnd an und erklärt, dass er selbst auch unseren Anschlussbus fährt. Derselbe Bus bekommt in Trégastel einfach eine andere Liniennummer.

Sehr praktisch! Damit können wir die bereits im Kopf gestartete Suche nach einem Taxi wieder abbrechen.

Glück gehabt.

In Perros-Guirec angekommen, spazieren wir zum nahegelegenen The Originals Boutique Hotel. Ein hübsches Hotel – gefällt uns!

Danach erkunden wir den Ort. Perros-Guirec ist sehr touristisch, aber auch wirklich schön, mit vielen alten Gebäuden und einer speziellen Kirche.

Auf dem Dorfplatz ergattern wir noch ein schönes Plätzchen und bestellen einen Kir Breton.

Natürlich haben die Bretonen auch hier wieder ihre eigene Variante: Cidre mit Cassis oder einem anderen Fruchtlikör. Sehr fein und ausgesprochen durstlöschend!

Und wie es sich gehört, geniessen wir unser Nachtessen anschliessend in einem gemütlichen Restaurant.

Freitag – Jetzt wird’s rosa!

Am nächsten Morgen geht es richtig los.

Vor uns liegen knapp 15 Kilometer Küstenweg von Perros-Guirec nach Trégastel.

Eigentlich keine gewaltige Distanz.

Eigentlich.

Denn wir kommen nur sehr langsam vorwärts. Gefühlt müssen alle paar Meter wieder Fotos geschossen werden!

Und sogar der Schreiber muss zugeben, dass nicht nur Susanne dafür verantwortlich ist. Auch er bleibt immer wieder wie angewurzelt stehen und bestaunt fasziniert die skurrilen rötlichen Felsformationen.

Manche sehen aus wie riesige Tiere, andere wie Köpfe oder Fantasiefiguren. Und hinter der nächsten Kurve sieht es schon wieder völlig anders aus.

Diese Küste ist wirklich etwas Besonderes.

In Ploumanac’h machen wir Pause.

Und was passt besser zu einer bretonischen Wanderpause als ein paar Austern?

Sehr lecker!

In Trégastel angekommen, schleppen wir unsere inzwischen etwas müden Beine noch den Hügel hinauf zum Hotel Bellevue. Auch hier: ein nettes Hotel, das gefällt!

Die Beine hingegen sind froh, dass für heute Schluss ist.

Am nächsten Morgen geht es weiter.

Heute liegen rund 20 Kilometer vor uns, bis wir wieder bei der Cachana in Trébeurden sind.

Die erste Hälfte der Wanderung führt erneut der Küste entlang. Langsam verändert sich die Landschaft. Die riesigen, skurrilen roten Granitformationen werden weniger. Dafür sehen wir kleinere Felsen und Steine und unzählige Buchten.

Sehr hübsch.

Nur haben diese Buchten einen kleinen Nachteil: Wir müssen um jede einzelne herumlaufen!

Und unglaublich , wir glauben es kaum, kommt Regen auf. Kein einziger Wetterbericht, na ja einer von 8, hat Feuchtigkeit prognostiziert. Es ist nicht wirklich Driesel, nein. Innert Kürze sind wir durchnässt. Jedenfalls die Beine. Oben haben wir wie immer den Regenschutz dabei. Die schottische Küste lehrt einem :-))

Na ja, dann ins nächste Restaurant. Ist ja eh Mittagessenszeit. Viel Auswahl hat es nicht. Aber wie Ihr sehen könnt, TOP

Immer wieder sehen wir Boote, die bei Ebbe einfach auf dem Trockenen liegen.

Noch immer ein faszinierender Anblick – besonders wenn man weiss, dass nur wenige Stunden später alle wieder friedlich im Wasser schwimmen werden.

Die zweite Hälfte des Weges führt uns durch Wiesen und Wälder.

Ganz anders, aber ebenfalls wunderschön und abwechslungsreich.

Endlich erreichen wir Trébeurden.

Aber natürlich laufen wir nicht direkt zur Cachana.

Nein.

Wir kämpfen uns zuerst noch den Hügel zum Intermarché hinauf. Schliesslich wollen wir ein paar feine Sachen einkaufen.

Und wir werden fündig!

Danach geht es endgültig zurück zur Cachana. Dort angekommen, schleppen wir uns zuerst einmal unter die Dusche.

Das Abendessen fällt dafür genau richtig aus:

Raclette!

Satt, müde und sehr zufrieden fallen wir danach in unsere Koje.

Am nächsten Morgen schwächelt der Westwind etwas und wir laufen aus.

Die Segel werden gesetzt, und wir kreuzen Richtung Carantec.

Östlich davon finden wir eine einzelne Boje und machen fest.

Was für ein schöner Platz!

Rund um uns eine wunderschöne Landschaft und zahlreiche Austernfelder. Direkt vor uns liegt eine winzige kleine Insel, auf der tatsächlich eine kleine Burg steht.

Fast ein bisschen kitschig. Aber sehr hübsch!

Und was macht man an so einem Abend?

Natürlich. Grill aufbauen!

Zuerst gibt es ein paar Jakobsmuscheln,

danach feinen Kalmar mit Zucchini und Auberginen.

Und zum Dessert?

Ein Raclette-Brötchen.

Warum auch nicht!

Wir geniessen diesen Abend total.

Am Montagmorgen schlafen wir etwas länger.

Dann nehmen wir noch ein letztes Bad im Meer.

Und langsam merkt man, dass der Sommer zu Ende geht. Das Wasser ist deutlich kälter geworden. Das Thermometer zeigt nur noch 17,8 Grad.

Erfrischend!

Sehr erfrischend.

Am Nachmittag meldet sich endlich der Wind.

Wir setzen die Segel und machen uns auf die letzte kurze Fahrt dieses Törns nach Roscoff.

Ein etwas eigenartiges Gefühl: Zum letzten Mal auf dieser Reise Segel setzen.

In Roscoff angekommen, melden wir uns per Funk und fragen nach einem Platz für die nächsten drei Tage. Gleichzeitig möchten wir noch unseren Dieseltank auffüllen.

Nachdem die Cachana wieder einen vollen Bauch hat, fahren wir zu unserem zugeteilten Liegeplatz.

Alles bestens.

Die Sonne scheint und es ist richtig warm. Wir nutzen die Gelegenheit, bergen die trockenen Segel und legen sie schön gefaltet in den Bauch der Cachana.

Der Skip hat natürlich bereits kurz die Restaurantauswahl im Internet studiert.

Und konnte nicht widerstehen.

Also essen wir heute Abend im Restaurant Bellevue.

Der Name verspricht schon einmal einiges.

Und tatsächlich: La belle vue auf den Vieux Port ist wirklich wunderschön.

Aber das Essen …

Un rêve!

Dienstag – Ein Hummer bekommt fast eine zweite Chance

Am Dienstag geht es mit Aufräumen und Putzen weiter.

Am Nachmittag macht Susanne noch eine kleine Einkaufstour.

Sie kommt ausgesprochen zufrieden zurück.

In ihrer Einkaufstasche befinden sich ein paar Austern und ein kleiner Hummer. 🦞

Kurz darauf betrachtet Susanne unseren zukünftigen Hauptgang allerdings etwas genauer und bekommt plötzlich Zweifel:

„Sollen wir ihm nicht doch die Freiheit schenken?“

Der Skip erkennt die Gefahr für das geplante Nachtessen sofort und verschwindet ziemlich zügig mit dem Hummer in der Kombüse.

Damit ist die Diskussion beendet.

Und wenig später geniessen wir beide ein extrem leckeres Nachtessen.

Auch Susanne!

Am Mittwochmorgen ist Markt in Roscoff.

Also machen wir uns auf den rund 20-minütigen Fussweg ins Städtchen.

Der Markt gefällt uns: Abwechslungsreich, lebendig und natürlich mit vielen feinen Sachen.

Am Nachmittag wird weiter geräumt und geputzt.

Zum Abendessen gibt es dann konsequente Resteverwertung: Spiegelei mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und einer Kartoffel.

Damit ist tatsächlich fast alles aufgegangen.

Perfekt geplant!

Oder einfach Glück gehabt.

Donnerstag – Die Cachana kommt an Land

Am Donnerstagmorgen wachen wir mit einem etwas eigenartigen Gefühl auf.

Es war unsere letzte Nacht dieses Jahres auf der Cachana. 🥲

Beim Café in der Koje beschäftigen wir uns zunächst mit einem ganz praktischen Problem:

Wie bekommen wir unsere schweren Taschen zum rund 20 Minuten entfernten Hotel?

Wir stellen fest, dass um 8.40 Uhr ein Bus fährt.

Der nächste? Um 17.00 Uhr. Der Fahrplan ist auf die Fähre zwischen Plymouth und Roscoff abgestimmt.

Wir schauen auf die Uhr.

8.45 Uhr.

Und gepackt haben wir noch nichts.

Den 8.40-Uhr-Bus können wir damit ziemlich eindeutig von unserer Liste streichen.

Also telefonieren wir mit den beiden örtlichen Taxiunternehmen.

Beide geben uns dieselbe Antwort:

Keine Chance. Voll ausgebucht.

Wir versuchen es noch bei einem Taxiunternehmen im Nachbardorf.

Kurzes Zögern am anderen Ende der Leitung.

Dann die erlösende Nachricht: Sie sei um 9.45 Uhr zufällig in unserer Nähe. Sie könne uns schnell zum Hotel fahren – aber wir müssten bereitstehen!

Klar!

Jetzt kommt Bewegung in die Cachana.

Susanne springt auf und beginnt zu packen, Chérif reicht zu.

Und es muss natürlich gescheit gepackt werden: Was brauchen wir während der nächsten zwei Tage im Hotel? Was muss mit nach Hause? Was bleibt über den Winter auf der Cachana?

Mein Schatz ist unglaublich schnell.

Rucksäcke packen, Taschen schliessen, anziehen, Gepäck hochhieven – und alles auf einen der Gepäckrollis laden, die der Hafen für die weitläufige Anlage zur Verfügung stellt.

Dann schieben wir unser gesamtes Hab und Gut zum Hafenausgang.

Pünktlich stehen wir dort.

Und schon kommt unser Taxi!

Im Hotel angekommen erfahren wir, dass unser Zimmer im dritten Stock liegt.

Zum Glück dürfen die zwei schweren Taschen an der Rezeption bleiben.

Wir laufen zurück zur Cachana und machen sie bereit fürs Kranen.

Um 14.15 Uhr legen wir ein letztes Mal ab und fahren zum Kran. Die Gurte hängen bereits abgesenkt im Wasser.

Und jetzt geht plötzlich alles Schlag auf Schlag.

Ein Mitarbeiter kommt mit dem Schlauchboot und schiebt uns in die richtige Position. Gleichzeitig werden vorne die Gurte angehoben.

Die Cachana steht!

Wir werden gebeten, ins Schlauchboot umzusteigen.

Dann schwebt unsere Cachana auch schon aus dem Wasser, während wir mit dem Schlauchboot an Land gebracht werden.

Keine zehn Minuten später steht sie gerade und sicher auf ihrem Platz, der Kiel sauber unterlegt und das Schiff abgestützt.

So schnell ging das noch nie!

Und wer spricht hier eigentlich immer von französischer Ineffizienz?

Wir lernen den Werftchef François kennen, der auf uns sofort einen sehr sympathischen, kompetenten und vertrauenswürdigen Eindruck macht.

Er schaut sich die Cachana genau an und fragt nach, wo sich was befindet und was gemacht werden soll.

Das schafft Vertrauen.

Wir haben ein sehr gutes Gefühl.

Auch der Segelmacher, der uns über den Winter neue Lazybags anfertigen wird, macht einen ausgezeichneten Eindruck.

Nun wird endgültig aufgeräumt, alles kontrolliert und abgeschlossen.

Dann kommt der Moment:

Tür zu. Cachana abschliessen. Fertig für dieses Jahr.

Gegen 18.00 Uhr laufen wir Richtung Vieux Port zu unserem Hotel.

Natürlich nicht, ohne unterwegs noch einen kleinen Apéro-Zwischenhalt einzulegen.

Man soll so einen Abschied schliesslich nicht überstürzen.

Am Abend geniessen wir im Hotel ein ausgezeichnetes Nachtessen.

Am nächsten Morgen laufen wir tatsächlich noch einmal zur Cachana.

Natürlich haben wir ein paar Sachen vergessen!

Danach spazieren wir zu einem nahegelegenen Bauernhof, der die berühmten Roscoff-Zwiebeln verkauft.

Und mal wieder können wir nicht widerstehen.

Ein bisschen Bretagne muss schliesslich mit nach Hause.

Den restlichen Tag spazieren wir durch das hübsche Roscoff und geniessen einfach die Zeit.

Für unser letztes Nachtessen dieser Reise wollen wir es uns noch einmal so richtig gut gehen lassen.

Und was sollen wir sagen?

Ein Traum!

Ein würdiger Abschluss.

Samstag, 26. September – Heimreise

Um 8.50 Uhr steigen wir in den Bus nach Morlaix.

Von dort bringt uns der TGV nach Paris zum Gare Montparnasse.

Taxi!

Quer durch Paris zum Gare de Lyon.

Nach rund zwei Stunden Aufenthalt geht es mit dem nächsten TGV weiter Richtung Zürich.

Kurz vor 22.00 Uhr sind wir wieder daheim.

Hinter uns liegt eine wunderschöne Reise mit unzähligen Erlebnissen, herrlichen Segeltagen, spannenden Häfen, Gezeiten, Strömungen, Wanderungen, Begegnungen – und natürlich dem einen oder anderen sehr guten Essen.

Okay.

Vielleicht waren es auch ein paar mehr.

Die Cachana steht nun sicher an Land in Roscoff und darf sich über den Winter in einer geschlossenen Halle ausruhen. Und auch für unseren Blog beginnt damit die Winterpause.

Ein bisschen Wehmut ist natürlich dabei. Aber vor allem bleiben unglaublich viele schöne Erinnerungen.

Und wahrscheinlich werden wir die meisten von euch, liebe Leser, in diesem Winter ohnehin persönlich treffen.

Darauf freuen wir uns sehr – auf unsere Familie und auf euch, unsere lieben Freunde.

Danke, dass ihr uns auf unserer Reise begleitet, unsere Geschichten gelesen und ein Stück weit mit uns gesegelt seid.

Bis zum nächsten Törn!

Susanne und Chérif

Auch wenn’s manchmal ander’s aussieht möchten wir hier mal klarstellen, dass es immer eine Zusammenarbeit von Susanne und Chérif ist.

Weiter nach Paimpol und zur roten Granitküste

Track Saint Quay Portrieux – Paimpol-Port Blanc – Trébeurden

Donnerstag morgen, 10. September, schauen wir uns erst einmal Saint-Quay-Portrieux etwas genauer an. Was wir sehen, gefällt uns: ein bisschen verschlafen vielleicht,

aber ein hübscher Ort mit schönen Häusern und einer grossen Bucht, in der bei Ebbe zahlreiche Boote trockengefallen sind.

Vor dem Einkauf

Nach dem Einkauf

Typisch Bretagne eben!

Wir spazieren durchs Dorf und kümmern uns natürlich auch um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: das Abendessen.

Wir kaufen leckere Crevetten, Austern, Bulots und zwei schöne Filets vom St. Petersfisch. Die restlichen, etwas weniger aufregenden Einkäufe erledigen wir beim Carrefour.

Gegen Mittag legen wir ab und machen uns auf den Weg nach Paimpol.

Track von Saint-Quay-Portrieux nach Paimpol

Unterwegs geniessen wir bereits die Austern, Crevetten und Bulots. Man soll schliesslich nicht hungrig navigieren!

Je näher wir der Bucht von Paimpol kommen, desto grösser wird allerdings die Spannung.

Denn jetzt fahren wir – zumindest laut Seekarte – über trockenes Land!

Ich versuche das einmal möglichst einfach zu erklären.

Wir nähern uns dem Hochwasser, und der Tidenhub beträgt heute rund 9,60 Meter. Natürlich haben wir Wasser unter dem Kiel. Sogar deutlich mehr als eine Handbreit!

Auf unseren Seekarten sind Flächen, die bei Ebbe trockenfallen können, grün eingezeichnet.

Die unterstrichenen Zahlen darin geben die sogenannte Trockenfallhöhe an. Steht dort zum Beispiel 4,30 Meter, liegt diese Stelle 4,30 Meter über dem Kartennull. Das Wasser muss also entsprechend hoch steigen, bevor dort genügend Wasser steht. Und wir fahren tatsächlich über Stellen, auf denen 6,30 Meter eingetragen sind! Trotzdem zeigt unser Echolot immer noch mehr als drei Meter Wasser unter dem Kiel.

Ein seltsames Gefühl bleibt es trotzdem.

Und bevor mich jetzt die erfahrenen Gezeitenfüchse unter euch korrigieren, noch ein kleiner Ausflug in die Theorie:

Das Kartennull entspricht hier dem LAT – Lowest Astronomical Tide. Vereinfacht gesagt ist das ein sehr niedriger, astronomisch berechneter Referenzwasserstand, der durch die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne zustande kommt. In der Realität können Wetter, Luftdruck und Wind den tatsächlichen Wasserstand zusätzlich beeinflussen.

So. Genug Theorie!

Das ungute Gefühl, mit einem Segelboot über eine Fläche zu fahren, die auf der Karte grün und damit eigentlich trocken aussieht, verschwindet dadurch nämlich auch nicht.

Da wir pünktlich kurz vor Hochwasser eintreffen, können wir direkt durch die offene Schleuse fahren und in Paimpol einparkieren.

Eigentlich steht heute Abend unser feiner St. Petersfisch auf dem Speiseplan. Aber nach Austern, Crevetten und Bulots hält sich unser Hunger erstaunlicherweise in Grenzen.

Also gibt es etwas Käse, kaltes Fleisch und ein Glas Rotwein.

Passt auch.

Am Freitag gehen wir in Paimpol auf Entdeckungstour.

Und Paimpol gefällt uns ausgesprochen gut! Viele wunderschöne alte Häuser, kleine Gassen und ganz, ganz viel Charme. Wirklich ein hübsches Städtchen.

Allerdings stellen wir schnell fest, dass wir mit dieser Meinung nicht ganz alleine sind. Im Hochsommer, wenn sich hier die Touristen durch die Gassen schieben, dürfte es vermutlich etwas weniger gemütlich sein.

Ohne kleinen Halt geht es dann doch auch nicht!

Jetzt aber können wir Paimpol richtig geniessen.

Und am Abend kommt endlich unser St. Petersfisch zum Einsatz: auf einem Lauchbeet zubereitet.

Sehr, sehr fein!

Samstagmorgen sitzen wir bereits im ersten Bus nach L’Arcouest. Dort steigen wir auf die Fähre und fahren hinüber zur Île de Bréhat.

Wir umrunden die Insel zu Fuss. Bréhat hat fast einen mediterranen Touch und zeigt sich heute bei herrlichem Wetter von ihrer schönsten Seite. Eine wunderbare Wanderung mit einer imposanten Küste und immer wieder fantastischen Ausblicken.

Zurück in der Nähe der Fährstation bleiben wir bei zwei bretonischen Boule-Spielern hängen.

Die beiden spielen auf einem beeindruckenden Niveau!

Natürlich wäre die Bretagne nicht die Bretagne, wenn man hier einfach normales Boule spielen würde.

Die bretonische Variante wird mit deutlich grösseren Holzkugeln gespielt, die etwa 600 bis 1’000 Gramm wiegen. Gespielt wird auf einer festen, länglichen Bahn mit seitlichen Holzbanden – und diese dürfen sogar ins Spiel einbezogen werden.

Wir schauen den beiden eine ganze Weile fasziniert zu. Das sieht einfach aus.

Ist es sicher nicht.

Um 17.00 Uhr fährt unsere Fähre zurück, und gegen 18.00 Uhr sind wir wieder auf der Cachana.

Heute Abend sind wir zu faul zum Kochen. Auch das kommt vor!

Also lassen wir uns im Restaurant verwöhnen. Wir teilen uns zuerst einen sehr leckeren Pulposalat. Danach bekommt Susanne Doradenfilet auf den berühmten weissen Bohnen aus Paimpol, während Chérif eine Bouillabaisse mit Sardinen bestellt.

Beide Hauptgerichte sind ausgezeichnet. Aber auch ausgesprochen gross.

Wir kapitulieren!

Zurück auf der Cachana gibt es deshalb noch einen Digestif. Rein medizinisch natürlich. Zwecks Verdauung.

Am Sonntagmorgen entscheiden wir spontan, noch einen Tag zu bleiben.

Irgendwie waren die vergangenen Tage so voll, dass wir schlicht keine Zeit gefunden haben, uns ernsthaft mit unserer Weiterreise zu beschäftigen.

Und hier in der Bretagne geht nichts ohne vernünftige Planung. Gezeiten, Strömungen, Schwellen, Schleusen, Wind – einfach losfahren und irgendwann schauen, wo man landet, ist hier nicht unbedingt die beste Strategie.

Also beschäftigen wir uns heute mit der weiteren Route und den verschiedenen Möglichkeiten, schreiben am Blog und erledigen etwas Büroarbeit.

Natürlich darf auch ein Spaziergang durchs Städtchen nicht fehlen.

Da sind wir durchgefahren

Ein gemütlicher Sonntag also.

Am Montagmorgen machen wir die Cachana wieder startklar und laufen aus.

Paimpol – Port Blanc
Detail Port Blanc

Leider gibt es heute zu wenig Wind zum Segeln. Dafür scheint – einmal mehr – die Sonne. Man kann schliesslich nicht alles haben.

Unter Motor fahren wir um die Île de Bréhat herum in Richtung Port Blanc.

Dort angekommen schnappen wir uns eine der vier Gästebojen, die in ausreichender Wassertiefe liegen.

Port Blanc ist übrigens, anders als der Name vermuten lässt, kein richtiger Hafen. Es ist vielmehr eine geschützte Bucht mit einem Bojenfeld und Ankermöglichkeiten. In der Bretagne nichts Ungewöhnliches.

Und was für eine Bucht!

Wir staunen über die Landschaft. Entlang der Küste liegen bizarre, fast wie Skulpturen geformte Gebilde aus rötlichem Granit.

Der steinige Schutzwall wird bei Flut teilweise überspült. Bei der angesagten Westwindlage hätten wir dann nicht mehr allzu viel Schutz. Zum Glück soll der stärkere Wind erst am nächsten Morgen einsetzen.

Für heute Abend passt also alles.

Natürlich wird der Grill angezündet!

Es gibt eine Schale mit Tomaten, Zwiebeln und Feta, dazu ein schönes Hohrückensteak und Auberginen mit selbstgemachtem Basilikumpesto.

Köstlich!

Später sitzen wir noch draussen und geniessen die klare Nacht unter einem atemberaubenden Sternenhimmel.

Manchmal braucht es wirklich nicht mehr.

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker. Draussen ist es noch dunkel. Wobei „dunkel“ eigentlich eine ziemliche Untertreibung ist.

Es ist schwarz.

Also trinken wir unsere zwei Cafés noch gemütlich im Bett und hoffen, dass sich bis 7.00 Uhr wenigstens ansatzweise erkennen lässt, wo Himmel und Wasser beginnen.

Tatsächlich wird es langsam heller – und los geht’s.

Port Blanc – Trébeurden

Unser Ziel ist Trébeurden. Dort möchten wir möglichst gegen 12.00 Uhr sein.

Die Hafeneinfahrt hat eine Schwelle. Nach einem Telefongespräch mit der Hafenmeisterin wissen wir: Spätestens um 13.00 Uhr sollten wir mit unseren 1,60 Metern Tiefgang noch genügend Wasser haben.

Die Strecke beträgt gerade einmal 18 Seemeilen. Unter Motor brauchen wir dafür normalerweise etwa dreieinhalb Stunden, unter Segel ungefähr drei.

Eine einfache Rechnung also:

7.00 Uhr Abfahrt Port Blanc, dann müssten wir irgendwo zwischen 10.00 und 10.30 Uhr in Trébeurden sein.

Locker!

Na ja …

Wir haben Westwind, der im Laufe des Vormittags stärker werden soll. Vor allem aber haben wir die Strömung gegen uns.

Also bauen wir genügend Reserve ein.

Zunächst sieht alles wunderbar aus. Der Wind ist schwach, wir motoren, und entgegen den Stromkarten haben wir nur etwa einen Knoten Gegenstrom. Das GPS berechnet eine Ankunft zwischen 10.30 und 11.00 Uhr. Sind wir zu früh aufgestanden?

Perfekt.

Nach ungefähr drei Seemeilen ändert sich die Situation allerdings etwas. Aus einem Knoten Gegenstrom werden plötzlich bis zu vier Knoten!

Das GPS zeigt noch 1,5 Knoten Fahrt über Grund. Neue berechnete Ankunftszeit: zwischen 18.00 und 19.00 Uhr!

Ähm … nein. Jetzt werden wir doch ein kleines bisschen nervös.

Zum Glück wissen wir, dass der Strom zwischen 11.00 und 11.30 Uhr kippen sollte. Und tatsächlich: Gegen 11.30 Uhr ist es so weit. Der Strom dreht und hilft uns endlich.

Neue Ankunftszeit laut GPS: 13.00 Uhr. Na ja. Das könnte gerade noch passen.

Dann kommt auch noch der angekündigte Wind. Er wird stärker und dreht auf Nordwest.

Jetzt aber! Motor aus, Segel hoch – und die Cachana beschleunigt auf sieben Knoten. So gefällt uns das schon deutlich besser.

Um 12.10 Uhr liegen wir fest im Hafen von Trébeurden.

Wir fahren zwischen grün und rot in den Hafen rein

Geht doch!

Nach einem kleinen Snack packen wir beide Rucksäcke und laufen den steilen Hügel hinauf ins Dorfzentrum. Von dort geht es weiter durch den Ort zum etwa 25 Minuten entfernten Intermarché.

Der Kühlschrank braucht schliesslich wieder Material zum Kühlen!

Auf dem Rückweg durchs Dorf entdeckt Chérif natürlich noch eine der drei Bäckereien und kauft sich ein sehr leckeres Brot.

Trébeurden gefällt uns. Ein hübscher Ort mit schönen bretonischen Häusern, herrlichen Sandbuchten und immer wieder diesen eindrücklichen roten Granitfelsen.

Am Mittwoch schlafen wir erst einmal aus!

Zum Mittagessen geniessen wir eine sehr leckere Galette, die bretonische Variante der Crêpe aus Buchweizenmehl. Das Beste: Sie ist traditionell ohne Weizenmehl und damit auch für Susanne eine tolle Option.

Können wir nur empfehlen!

Am Nachmittag machen wir eine wunderschöne, rund dreistündige Wanderung durch die herrliche Natur rund um Trébeurden.

Zurück auf der Cachana werden die nächsten zwei bis drei Tage organisiert.

Wir möchten die berühmte Rosa Granitküste entlangwandern. Am Donnerstagnachmittag wollen wir deshalb mit dem Bus nach Perros-Guirec fahren. Für Donnerstagabend buchen wir dort ein Hotelzimmer, für Freitagabend eines in Trégastel.

Die Cachana bekommt also für zwei Tage frei.

Nach all der Organisation wird es Zeit für etwas wirklich Wichtiges:

Fondue!

Fondue auf der Cachana?

Ja!

In Cherbourg haben wir in einem Käseladen kleine Fondue-Caquelons entdeckt, die mit Kerzen betrieben werden. Im Prinzip das gleiche System wie bei diesen kleinen Raclette-Öfeli.

Wir haben sie angeschaut. Wir haben überlegt. Selbstverständlich konnten wir nicht widerstehen. Zwei Stück mussten mit.

Heute Abend folgt in der Kuchenbude der grosse Praxistest. Das Fondue wird auf dem Herd zubereitet!

Kerzen an, Käse rein und los geht’s.

Was sollen wir sagen?

Es funktioniert! Das Fondue war sehr, sehr lecker.

Damit wäre nun auch eine weitere wichtige Frage des Langfahrtsegelns abschliessend geklärt: Ja, Fondue auf einem Segelboot geht. Und zwar bestens!

Bis zum nächsten Mal.

Herzliche Grüsse

Cachaneros

Undankbare Aufgabe!!!

Liebe Freunde, liebe Leser,

Ihr denkt jetzt sicher: Was ist denn das für ein komischer Titel? Nun ja, nach den so charmanten Berichten von Sam und Nadine fällt es mir gar nicht so leicht, wieder selbst in die Tasten zu hauen! Aber ich bin ja nicht der Einzige – ihr dürft da jetzt auch mit durch. 😉 Aber versprochen, ich gebe mir Mühe!!!

Samstag, 5. September

Früh stehen wir auf. Sehr früh! Draussen ist es noch dunkel, als wir um 6.00 Uhr die Leinen loswerfen. Wir wollen den Gezeitenstrom erwischen, der uns bis nach Cherbourg tragen soll.

Entgegen den Aussagen der diversen Wetterberichte, die keinen bis kaum Wind vorhergesagt haben, können wir tatsächlich die ganze Strecke segeln. So viel zur Wettervorhersage! Ein wunderschöner Segeltag – oder besser gesagt Segelvormittag – endet bereits um 11.30 Uhr in Cherbourg.

Schon bei der Einfahrt fällt uns etwas auf: Der Hafen ist rappelvoll!

Überall liegen tolle Racer englischer und französischer Herkunft. Auf den Schiffen werden in der Sonne Segelanzüge und sogar Matratzen zum Trocknen ausgelegt. Muss wohl eine ziemlich wilde Nacht gewesen sein!

Beim Anmelden im Hafenbüro erfahren wir den Grund: Am Freitagabend startete in Cowes die Regatta nach Cherbourg. Die meisten Teilnehmer sind am frühen Samstagmorgen angekommen. Der Royal Ocean Racing Club (RORC) organisiert zahlreiche renommierte Hochseeregatten, und die Cowes–Cherbourg-Regatta gilt als traditionelles Saisonfinale.

Wir spazieren ins Zentrum, kaufen ein paar schöne Lebensmittel ein und geniessen den restlichen Nachmittag. So lässt es sich leben.

Sonntag, wie könnte es anders sein: Auch am Sonntag geht es früh los. Um 6.30 Uhr legen wir ab. Heute haben wir etwas ganz Besonderes vor!

Wir möchten nach Guernsey segeln am gefürchteten Cap de la Hague vorbei und zwischen Alderney und der Halbinsel Cotentin, durch das berüchtigte Raz Blanchard. Hier kann der Gezeitenstrom bei Springtide bis zu 10 Knoten erreichen! Zum Glück haben wir Nipptide und damit deutlich gemässigtere Verhältnisse.

Als wir das Raz erreichen, segeln wir bei gerade einmal 6 bis 10 Knoten Wind. Trotzdem zeigt unser GPS zeitweise unglaubliche 11 Knoten über Grund!

Schon bei diesen vergleichsweise harmlosen Bedingungen sehen wir kleine Wirbel und eigenartige Wellen entstehen. Da wird einem schnell klar: Bei schlechtem Wetter möchte hier wirklich niemand unterwegs sein.

Bereits um 12.20 Uhr machen wir nach 45 Seemeilen in St. Peter Port fest. Kaum zu glauben: Noch keinen ganzen Monat ist es her, seit wir genau hier die Carissima Mare getauft haben!

Am Nachmittag spazieren wir gemütlich durchs Städtchen. Weil Sonntag ist und die Geschäfte geschlossen sind, wirkt St. Peter Port fast ein wenig verschlafen.

Montag begrüsst uns mit einem Sonne-Wolken-Mix. Wir kaufen eine Tageskarte für den Bus und wollen Guernsey heute per Bus und zu Fuss erkunden.

Im Süden steigen wir aus.

Unser Reiseführer behauptet, ein Besuch der kleinsten geweihten Kapelle sei ein absolutes Muss. Also marschieren wir rund 20 Minuten bis zur Little Chapel.

Und ja: Sie ist wirklich eindrücklich!

Winzig klein, farbenfroh und mit unzähligen Muscheln, Kieselsteinen und Porzellanscherben verziert. Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier weitere Informationen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Little_Chapel

Danach geht es mit dem Bus weiter Richtung Südwesten. Dort steigen wir erneut aus und wandern rund 14 Kilometer um das Kap.

Unterwegs begegnen uns zahlreiche Überwachungs- und Verteidigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, die während der deutschen Besatzung errichtet wurden.

Dazwischen gibt es immer wieder herrliche Ausblicke aufs Meer und auf die schroffen Felsen. Man kann sich kaum sattsehen.

Natürlich finden wir auch einen schönen Platz, der geradezu nach einem Picknick ruft. Und wir wären ja schlechte Wanderer, wenn wir diese Einladung ausschlagen würden.

Nach der Umrundung des Kaps steigen wir wieder in den Bus. Unser nächstes Ziel: Cobo Bay. Das meint zumindest Susanne.

Ausgestiegen sind wir nämlich eine Bucht zu früh. Eigentlich hat es sich ein wenig anders abgespielt. Aber darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Na ja – der nächste Bus kommt in einer Stunde. Also machen wir aus der Not eine Tugend und wandern einfach dem Strand entlang.

Nach ziemlich genau einer Stunde erreichen wir das Ende der Cobo Bay und steigen dort wieder in den Bus. Perfektes Timing – oder hervorragend geplante Fehlplanung!

Wir wollen noch das nördlichste Kap umrunden. Links von uns liegt die eindrückliche Küste mit dem Meer, rechts leider ein Steinbruch, in dem blauer Granit abgebaut wird. Nicht gerade die perfekte Ergänzung zur idyllischen Landschaft.

Aber trotzdem sehr schön!

Nach der Runde steigen wir wieder in den Bus und freuen uns auf unsere Cachana.

Am Abend geniessen wir auf der Terrasse eines Pubs unsere Vorspeise: ein paar sehr leckere Austern und einen kleinen Teller glutenfreie Tintenfischringli, die ausgezeichnet schmecken.

Zurück auf der Cachana gibt es noch etwas Käse und ein Glas Rotwein.

Was will man mehr?

Der Wetterbericht hat für Dienstag viel Regen angekündigt. Und diesmal stimmt er leider ziemlich genau.

Schon früh am Morgen beginnt es kräftig zu regnen. Susanne nutzt den Tag zum Waschen und Reinigen. Da wir Ebbe haben muss Sie gefühlt bei jedem Gang 2-3 Stockwerke bewältigen und unter strömendem Regen, es waren einige Gänge!

Dieses Foto wurde zu einem späteren Zeitpunkt bei Ebbe gemacht.

Während der Skip sich auch ein etwas weniger gemütliches Tagesprogramm ausgesucht hat: Der alte Autopilot soll ersetzt werden.

Dafür müssen der Steuercomputer und der Wellensensor in der hinteren Backskiste ausgetauscht werden.

Wer unsere Backskiste kennt, weiss: Das klingt wesentlich einfacher, als es ist.

Zuerst muss die tiefe und enge Backskiste komplett ausgeräumt werden. Danach verbringt der Skip einen guten halben Tag in Positionen, die vermutlich selbst einen Yogalehrer beeindrucken würden. Irgendwie muss man ja an Kabel, Sensoren und Steuercomputer herankommen.

Schlussendlich gelingt die Operation!

Jetzt sind wir gespannt, ob die neuere Version die Wellen tatsächlich besser lesen kann als der Alte. Wir werden sehen.

Am Abend belohnen wir uns mit einem wirklich hervorragenden Menü im Restaurant Nautique. Das können wir nur empfehlen!

Mittwoch um 8.30 Uhr melden wir uns per Funk ab und verlassen den Hafen.

Unser Ziel liegt in der Bretagne: Saint-Quay-Portrieux, rund 55 Seemeilen entfernt.

Der Hafen ist für uns besonders praktisch, weil er der einzige Tiefwasserhafen in der näheren Umgebung ist. Viele andere Häfen sind mit Schleusen oder Schwellen ausgestattet und deshalb nur in einem bestimmten Zeitfenster rund um Hochwasser erreichbar.

Der Wetterbericht meldet 15 bis 22 Knoten Wind und Wellen zwischen 1,50 und 1,90 Metern, am Nachmittag abflauend. Das passt für uns. Wind und Wellen kommen von der Seite, und wir geniessen die Fahrt.

Kurz vor unserem Ziel sehen wir plötzlich ein Schnellboot auf uns zukommen.

Wir werden über Funk aufgerufen. La Douane. Der französische Zoll.

Wir werden gefragt: Woher kommen wir? Wohin fahren wir? Wie viele Personen sind an Bord?

Dann folgt die Anweisung: Segel stehen lassen und Kurs beibehalten.

Sie wollen an Bord kommen.

Vom Schnellboot wird ein Schlauchboot zu Wasser gelassen. Zu viert kommen die Zöllner längsseits der Cachana. Zwei Frauen und ein Mann steigen zu uns an Bord – bewaffnet.

Sie sind höflich und freundlich, aber natürlich wollen sie einiges wissen: Woher kommen wir? Wohin fahren wir? Haben wir Tiere an Bord? Wo bleibt die Cachana über den Winter? Haben wir Zigaretten dabei? Drogen?

Letzteres können wir glücklicherweise ziemlich eindeutig beantworten.

Natürlich wollen sie auch unsere Pässe und den Flaggenschein sehen. Danach folgt ein kleiner Rundgang durchs Schiff. Alles wird sorgfältig protokolliert und schliesslich bestätigen sie uns: Alles in Ordnung.

Wir unterschreiben das Protokoll und erhalten eine Kopie, die wir aufbewahren müssen.

Dann verabschieden sich unsere Besucher wieder.

Zum Abschied geben wir ihnen noch ein bisschen Schokolade mit.

Im Nachhinein sind wir uns allerdings nicht mehr ganz sicher, ob das wirklich so schlau war. Vielleicht haben wir damit einen völlig falschen Anreiz geschaffen:

„Ah, die Cachana! Die kontrollieren wir wieder – dort gibt’s Schokolade!“

Gegen 18.00 Uhr machen wir schliesslich in Saint-Quay-Portrieux fest.

Ein weiterer abwechslungsreicher Abschnitt unserer Reise liegt hinter uns – mit wunderbarem Segeln, 11 Knoten durchs Raz Blanchard, einigen Kilometern zu Fuss, einem Skip in der Backskiste und zum Abschluss noch bewaffnetem Besuch.

Langweilig wird es uns jedenfalls nicht.

Die Cachaneros grüssen Euch!

Hochgeschwindigkeitsegeln & Abschiedsritus

02.09.26

Nach unserer zwölfstündigen Überfahrt haben wir uns alle den Luxus des Ausschlafens verdient und so starteten wir heute gemütlich in den Tag. Wie üblich wurde ausgiebig auf die Nespressomaschine zurückgegriffen, gelesen, sich über Cherbourg und das allgemeine Geschehen in der Welt informiert und das Tagesprogramm definiert. Chérif informierte uns gestern nach seinem obligaten Besuch beim Hafenmeisterbüro darüber, dass die Sanitäranlagen durchaus einen Besuch wert seien. Vielleicht fand er auch einfach, dass wir langsam mal wieder eine Dusche vertragen könnten. Wie dem auch sei, wir entschlossen uns, seiner Empfehlung zu folgen und kamen kurze Zeit später frühlingsfrisch retour aufs Schiff. Da MuP sich unsere Schwärmerei von der wohl besten Dusche Frankreichs nicht länger anhören wollte, taten sie es uns kurz darauf gleich. Da anschliessend alle langsam knurrende Mägen hatten, galt unsere Aufmerksamkeit als nächstes dem Essen. MuP verwöhnte uns mit exquisitem schottischem Lachs und Lachsforelle, welche wir auf knusprig angetoastetem Brot mit reichlich frischen Zwiebeln und Kapern verspeisten. Echt lecker war das! Satt und zufrieden machten wir uns bereit für unseren ersten Landgang in Cherbourg. Auf unserem Weg in die Stadt kamen wir an einem imposanten Napoleondenkmal vorbei, welche die Körpergrösse des bekanntlich kleinen Mannes wohl nicht ganz akkurat abbildete. Wir flanierten ein paar Stunden durch die Gassen und Strassen des alten Stadtzentrums und schauten dabei in diverse Geschäfte hinein.

Leider wurde Cherbourg im 2. Weltkrieg arg in Mitleidenschaft gezogen, sodass vom einst historischen Zentrum nicht mehr viel in ursprünglichem Zustand vorhanden ist. Da man sich beim Wiederaufbau jedoch Mühe gegeben hat, die alte Bauweise nachzubilden, macht es dennoch einen durchaus netten Eindruck. Nach einem lokalen Erfrischungsgetränk ging es noch in den ortsansässigen gigantischen Carefour. Zurück auf der Cachana waren Nadine und Sam der Meinung, dass Fortuna heute sicherlich auf ihrer Seite sein würde und forderten MuP zu einer neuerlichen Runde Jassen heraus. Schnell stellte sich heraus, das auch heute weder göttlicher Beistand noch das Kartenglück auf ihrer Seite war und so verloren sie abermals. MuP freute sich über ihren Sieg und wir auf das nun anstehende Abendessen, denn heute stand Raclette und Fisch auf dem Speiseplan. Zuerst durften Nadine und Sam aber noch die Segelroute für den Törn nach St.Vaast planen. Eine super Gelegenheit, um unsere eigenen Seemann*innenfähigkeiten zu schulen. Emsig machten sie sich ans Werk und nach sorgfältiger Planung war die Route gemacht, die Tiden beurteilt und die Wetterprognose verinnerlicht. Eine halbe Stunde vorbildliche Teamarbeit später war dann auch das Abendessen vorbereitet.

Wir schlugen uns die Bäuche mit Käse, Fisch und allem was das Herz begehrt voll. Als wüssten wir es nicht besser, überass sich ein grosser Teil der Crew und als wir mit beinahe platzenden Bäuchen endlich in unsere Betten vielen, lag Mitternacht bereits hinter uns. Aber das gehört halt auch ein bisschen zu Raclette dazu!

Bon matin! Heute mit Wecker und zwar um 8 Uhr, denn um 9 Uhr wollen wir auslaufen. Natürlich auch mit Kaffee, allerdings nicht ganz so zeitlich unbekümmert wie gestern, denn die Cachana und ihre Crew mussten noch bereit zum Ablegen gemacht werden. Da der Wetterbericht recht behalten und der heutige Tag mit Regen gestartet hat, mussten wir uns wetterfest einpacken. Also ab in die Segelkombis und los ging es mit den knapp 30 Meilen nach St.Vaast.

Der Regen ging bald in Niesel über und die Sicht, anfänglich von Nebel geprägt, klarte zunehmend auf. Anfänglich noch mit Unterstützung des Motors weil der Wind wohl auch noch etwas verschlafen war, konnten wir bald mit 16 Knoten Raumwind der Küsten entlang segeln. Mit der Tide auf unsere Seite machten wir teilweise fast 10 Knoten über Grund und kamen unserem Ziel so rasch näher.

Den letzten Drittel der Reise hart am Wind segelnd kamen wir wesentlich früher in St.Vaast an als angenommen. Nadine und Sam haben wohl eher etwas pessimistisch gerechnet, waren aber froh, dass der Strom wider Erwarten erst kippte, als wir bereits fast im Hafen ankamen. Nachdem wir angelegt hatten, wurde mit einem feinen Aperogetränk auf den schönen Segeltag angestossen. Nadine und Sam hatten ihre Lektion wohl immer noch nicht gelernt und knallten erneut die Jasskarten auf den Tisch. Gerne würden wir an dieser Stelle von unserem triumphalen Sieg schreiben, sind uns aber bewusst, dass unsere Leserschaft eins und eins zusammenzählen kann. Dezent niedergeschlagen beziehungsweise im Ruhm des Sieges schwelgend machten wir uns anschliessend auf, um St.Vaast zu entdecken. Das Dorf hat durch seine nähe zum Hafen und den zahlreichen Fischern einen charmanten maritimen Charakter.

Der Grossteil der Gebäude ist mit Sichtmauerwerk gebaut und erinnert im Entferntesten an Tessiner Rusticos, was dem Ort etwas Altertümliches verleiht. Die Kirche in der Dorfmitte scheint für die wahrscheinlich überschaubare Einwohnerzahl etwas gar gross geraten zu sein. Gut möglich, dass diese noch aus einer Zeit stammt, in der St.Vaast ein blühendes Handels- und Fischereizentrum war. Heute scheint der Ort aber vor allem vom Tourismus und von Rentner*innen, welche hier ihren Lebensabend geniessen, genutzt zu werden. Wer schon mit MuP in die Ferien verreisen durfte weiss, dass wir die Kirche natürlich auch von innen bestaunt haben. Anschliessend flanierten wir noch etwas durch die Strassen und schauten in einige Geschäfte hinein.

Eine der zahlreich umherschleichenden älteren Damen nutzte dann die Gunst der Stunde und verwickelte MuP in ein Gespräch, dass augenscheinlich kein Ende mehr nehmen wollte. Nadine und Sam versuchten noch, ihnen einen Rettungsring zuzuwerfen, welchen MuP aber platschend fallen lies und machten sich dann auf den Weg zurück aufs Schiff. Nach einem kurzen Powernap bemerkten wir erleichtert, dass auch Susanne und Chérif es doch noch zurück auf die Cachana geschafft hatten und machten uns daran, den heutigen Tag für euch niederzuschreiben. Wir ruhten uns alle noch etwas aus und gingen duschen, ehe wir uns für unser leckeres Abschiedsessen im Lokal unserer Wahl in Schale warfen. Nadine und Sam haben natürlich bereits vorgängig ein vielversprechendes Restaurant ausfindig gemacht. Folglich wussten wir auch den Fussweg zum lokal unserer Wahl, was aber auch keine grosse Herausforderung war, da dieses direkt am Hafen situiert war. Da Niedrigwasser kurz bevorstand, war das Gezeitentor an der Einfahrt des Hafens mittlerweile geschlossen und fungierte für diesen Zeitraum als Fussgängerbrücke. Für uns eine praktische Abkürzung und für den Hafen eine Unerlässlichkeit bei einem Tidenunterschied von fast 3.5 Meter!

Kurze Zeit später kamen wir im Restaurant an und wurden sehr höflich in Empfang genommen. Es stellte sich bald heraus, dass unsere Bedienung nicht nur kulinarisch sehr bewandert war, sondern per Zufall fliessend Deutsch sprechen konnte. Für die meisten von uns eine willkommene Hilfe, war die Speisekarte vor uns doch voller unbekannten französischen Beschreibungen. Ganz nebenbei hat sich die gute Frau das in gerademal 6 Monaten Austauschstudium in Berlin beigebracht! Eine schallende Ohrfeige für unser holpriges Schulfranzösisch, welches doch ein paar Jahre länger durchgekaut wurde. Rasch war klar, dass unsere Wahl auf das Vier- beziehungsweise Sechsgangmenu fallen würde. MuP befasste sich derweil mit der Weinkarte und so konnten wir schon bald bestellen. Die Vorfreude war riesig. Ebenso unser Appetit, hatten wir doch in weiser Voraussicht heute extra wenig gegessen. Schon nach dem ersten Gang war klar, hier hatten wir einen Volltreffer gelandet.

Alle Gänge bestachen durch ausgefallene Kombinationen, welche in sich jedesmal ein stimmiges Gesamtbild ergaben. So schlemmten wir uns bis zum Dessert durch und genossen einen tollen letzten Abend zusammen.

Bei der Jungmannschaft klingelte heute abermals der Wecker, denn sie mussten schliesslich ihre mehr oder weniger weiträumig verstreuten Besitztümer für die Abreise einpacken. Selbstverständlich lies sich das auch hervorragend mit diversen Kaffees vereinbaren. Angetrieben durch bedenklich hohe Mengen an Koffein waren sie in windeseile fertig mit ihrer Version von “ich packe in meinen Rucksack…” und waren bereit für das weitere Tagesprogramm. Da Nadine und Sam ihre Weiterreise nach Paris erst kurz nach 16 Uhr antreten mussten, reichte die Zeit noch für einen letzten Ausflug an Land. So liefen wir alle zusammen zur Bushaltestelle und warteten, bis wir die Verbindung nach Barfleure besteigen konnten. Eine Viertelstunde später stiegen wir in dem hübschen Küstendorf aus und erkundeten dieses bei wechselhaftem Wetter zu Fuss.

Erster Stopp, drei mal dürft ihr raten, war natürlich die zugegebenermassen hübsche Kirche. Weiter ging es durch verwinkelte Gassen entlang schmucker Häuser, die aneinandergereiht ein etwas mittelalterliches Flair versprühten. Verwöhnt vom gestrigen Festmal, knurrten bald schon wieder unsere Mägen. Das von Google Maps empfohlene Restaurant hatte zum Glück noch Platz, jedoch nur im Freien. Was zunächst als unproblematisch abgetan wurde, entpuppte sich zunehmend als nasse Angelegenheit.

Das Wetter, anfangs freundlich sonnig, schlug zuerst in Nieselregen und schlussendlich in ausgewachsenen Niederschlag um. Wir liessen uns davon jedoch in keinsterweise iritieren und genossen unser leckeres Mittagessen unter den anerkennenden Blicken der nicht so wetterfesten Touristen um uns herum.

Schon bald ging es mit dem Bus zurück nach St.Vaast auf die Cachana, wo wir uns noch kurz ausruhten, letzte Reisevorbereitungen trafen und mit MuP einen letzten Abschiedstrunk zu uns nahmen. Der Moment des Abschieds rückte unerbitterlich näher und so begleiteten uns Susanne und Chérif noch zur Bushaltestelle. Für einen ausgedehnten sentimentalen Abschied fehlte die Zeit, da der Bus kurz darauf vorfuhr. Natürlich wurden dennoch ein paar Tränen vergossen, hätten wir doch alle gerne noch ein paar Tage mehr zusammen verbracht. Eigentlich wäre hier der Blog somit beendet. Allerdings möchten wir euch nicht vorenthalten, dass Nadine sich bei der Abfahrtszeit unseres Zuges nach Paris dezent zu unsere Ungunsten geirrt hatte. In Kombination mit der verspäteten Ankunft unseres Buses am Bahnhof war es schlussendlich eine Punktlandung in letzter Minute. Sam bekam diese Information glücklicherweise erst auf dem Bahnsteig, was sicherlich förderlich für sein Wohlbefinden war. Nadine konnte ihrerseits einen weiteren Grosserfolg als Reiseleiterin verbuchen und war vollends zufrieden mit der Situation. Ob und wann wir in Paris angekommen sind, nun das müsst ihr uns bei Gelegenheit selbst mal fragen. Zu guter Letzt möchten wir uns ganz herzlich bei Susanne und Chérif für die tolle gemeinsame Zeit bedanken. Es war megasupertoll mit euch und wir kommen bestimmt wieder 😉

Wilde Motoren und viel Wind, see you Great Britain

30.08.26
Heute klingelte ausnahmsweise wieder einmal der Wecker am morgen, nachdem wir die letzten Tage in den Genuss des ungestörten Ausschlafen kamen. Um 8 Uhr hiess es daher raus aus den Federn und bereit machen für die Überfahrt nach Portsmouth. Selbstredend war der erste Punkt der Vorbereitungen der essentielle Morgenkaffee, bei welchem wir von MuP dann erfuhren, dass Portsmouth in weite Ferne gerückt war. Die Bedingungen waren schlicht zu suboptimal, als dass sich der Abstecher in die industrielle Grossstadt gelohnt hätte. Zwar wäre die Überfahrt von Cowes her durchaus machbar gewesen, auch wenn wir nach wie vor gut Wind hatten, jedoch hätten wir dann am darauf folgenden Tag 20 Meilen nach Yarmouth vor uns gehabt. Bevor sich jetzt einige denken, die Crew der Cachana sei doch langsam etwas zart besaitet, müssen wir an dieser Stelle kurz die Ausgangslage klarstellen. Besagte 20 Meilen hätten mit 16 Knoten Grundwind gegen den Wellengang aufgekreuzt werden müssen. Da sich alle an Bord einig waren, dass wir uns kurz vor der Überfahrt nach Frankreich nicht unnötig abmühen müssen, wurde der Plan folglich angepasst. Was ärgerlich klingt, war allerdings überhaupt kein Grund für lange Gesichter. Wie wir euch ja bereits erzählt haben, findet dieses Wochenende ein Speed Boat Race auf der Isle of Wight statt. Und wie es der Zufall wollte, befand sich der Start quasi direkt vor unserer schwimmende Haustüre.

Also machten wir uns kurzerhand auf ins Städtlein und konnten gemütlich dem beträchtlichen Menschenstrom folgen, der offenkundig das selbe Ziel hatte wie wir. Nach einem kurzen Spaziergang hatten wir unseren Platz auserkoren, von dem aus wir beste Sicht auf die Startgerade hatten. Einige Minuten gespannten Wartens verstrichen, bis ein donnernder Kanonenschuss die Stille zerriss und das Rennen offiziell eröffnete.

Mit brüllenden Motoren jagte das erste Feld der über jegliche Grenzen der Vernunft hinausgehend hochgezüchteten Rennbote über die Startlinie auf ihrem 100 Meilenrennen Richtung Poole. Einige würden das donnern der Motoren als überflüssige Lärmbelästigung abtun, andere bekamen bei den wundervollen Klängen Gänsehaut. Kurz darauf startete noch ein zweites Feld von Wettkämpfern, dieses mal jedoch in etwas “kleineren” Booten. Nach dem sich die letzten imposanten Wasserfontänen gesenkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg zur Cachana. Unterwegs nutzten wir die Gunst der Stunde und kauften noch ein paar Lebensmittel ein. Zurück im Hafen gingen Nadine und Sam noch kurz duschen und MuP machte das Schiff ablegebereit, denn um 12 Uhr mussten wir auslaufen. Unser neues Tagesziel hiess Newtown River, ein Flussdelta etwa 5 Meilen südlich von Cowes. Also hiess es raus aus dem Hafen und Segel setzen. Mit 20 Knoten Grund kreuzten wir mehr oder weniger hart am Wind auf. Der Seegang und Wind führten dazu, dass Teile der Crew heute zwei mal geduscht wurden, was der Freude allerdings nichts anhaben konnte.

Wir machten gut Fahrt und kamen bald in der Flussmündung an. Die Einfahrt war aufgrund der Untiefen nicht ganz unanspruchsvoll und so war die ganze Crew hochkonzentriert bei der Sache. Da wir nicht die einzigen vor Ort waren, mussten wir noch etwas Fluss aufwärts durch das seichte Gewässer navigieren, ehe wir unsere Boje für die Nacht erreichten. Nach einem gelungenen Anlegemanöver war es Zeit für, wie könnte es auch anders sein, einen Ankunftsdrink. Wir liessen die neue Umgebung auf uns wirken, welche sich durch die Absenz von Beton und den Klängen verschiedenster Wildtiere deutlich von den bisher angesteuerten Häfen unterschied. Wunderschön hier!

Die Unberührtheit der Umgebung weckten sogleich den Erkundungstrieb von Nadine, worauf Chérif und Sam sogleich das Dingi einsatzbereit machten. Nach kurzer Instruktion und mahnenden Worten bezüglich des immer tiefer sinkenden Wasserstandes machte sich die Jungmannschaft auf ins unbekannte Territorium.

Nach zehnminütiger Fahrt gegen den starken Gezeitenstrom legten Nadine und Sam erfolgreich aber wohl halblegal an einem Pier, von dem sie ausgingen, dass dieser nicht trocken liegen würde, an. Nach einem Spaziergang entlang des Flusses und über eine weitläufige Kuhweide, von welcher sich hinsichtlich Biodiversität so mancher Schweizer Bauer eine Scheibe abschneiden könnte, kamen sie leicht nervös wieder beim Pier an. Ob das Dingi wohl noch im Wasser liegt?

Glück gehabt. Zwar spannte sich die Landleine schon ordentlich und der Spitz des kleinen Gummibootes ragte bereits aus dem Wasser, ablegen konnten sie dennoch ohne nasse Füsse zu kriegen. Sam nahm sich an dieser Stelle vor, öfters auf sein Bauchgefühl und etwas weniger oft auf Nadines unerschütterlichen Optimismus zu vertrauen. Nadine ihrerseits fühlte sich auf ein neues bestärkt in ihrer Urgelassenheit, weil wir und das Dingi unbeschadet zurück zur Cachana gelangten. Dort angekommen versuchte Nadine ihr Glück im Fischen, Sam schrieb am Blog, Chérif mühte sich mit bürokratischen Stolpersteinen für unsere Einreise nach Frankreich ab und Susanne brachte das Schiff auf Vordermann, hielt die Szenerie fotografisch fest und leistete Chérif moralischen Support, da dieser langsam aber sicher die Nerven verlor. Bevor das iPad in hohem Bogen von Bord flog, übernahm Nadine die elektronische Bearbeitung des Einklarierens. Gerade als diese Herkulesaufgabe bewältigt war, erspähte Nadine aus dem Augenwinkel eine grosse graue Silhouette, die sich aus dem Wasser erhob. Einen aufgeregten Aufschrei später erblickten wir zu unser aller Verzücken einen stattlichen Seehund nur wenige Meter von unserem Schiff entfernt.

Dieser sonnte genüsslich für einige Minuten sein Gesicht, beobachtete uns dabei neugierig und tauchte dann mit einem tiefen Atemzug wieder in das grünblaue Wasser ab. Wahrscheinlich um sich auf die Jagt nach den Fischen zu machen, welche bei Nadine nicht anbeissen wollten. Dieses Gedankenspiel brachte uns zum Thema Abendessen und es wurde entschieden, dass wir die Abgeschiedenheit unseres Platzes nutzen würden, um den Grill einzuheizen. So machten sich alle an die Arbeit und es wurde fleissig geschält, gerüstet und vorbereitet. Als Chérif schon beinahe die Kohle in den Grill befördern wollte, schweifte sein Blick glücklicherweise für einen kurzen Moment in die schöne Landschaft hinaus. Glück im Unglück, denn die Landschaft war nach wie vor eine Augenweide.

Nicht so allerdings die graue Wand, die sich in rasantem Tempo auf uns zubewegte. Nachdem die ganze Besatzung sich beim Anblick der Unwetterfront einig war, dass der Grillabend wohl für unbestimmte Zeit verschoben werden müsse, war Eile angesagt. Zeitgleich wie Chérif damit begann, den Grill wieder zu verstauen, setzte sintflutartiger Niederschlag ein, begleitet von stürmischen Böen der Stärke 33. Mit vereinten Kräften wurde der Grill verstaut, das Dingi von Backbord ans Heck verlegt und die Küchenbude (das Verdeckt am Heck des Schiffes) eiligst wieder verschlossen. Da der Aussenborder unseres Beibootes im Sturm unglücklicherweise zur Hälfte unter Wasser gedrückt wurde, musste dieser in grösster Hast noch demontiert und in Sicherheit geschafft werden. In der Hitze des Gefechts übernahm Susanne diese Aufgabe. Ohne lange zu Zögern entschied sie sich, dass der beste Regenschutz die nackte Haut sei, zog sich bis auf die Unterhosen aus und tat, was getan werden musste. Wenn man so darüber nachdenkt eigentlich logisch, denn es mussten schlussendlich nur ein paar Unterhosen zum trocknen aufgehängt werden. Kurzerhand wurde die Menüplanung der Witterung angepasst und wir genossen dennoch ein abermals leckeres Nachtessen. Gegen die Natur kann man sich nicht stemmen, nur anpassen.

Ein neuer Tag beginnt. Nicht gänzlich erholt traf sich die Crew der Cachana heute zum Morgenkaffee, denn es war eine unruhige Nacht. Vom abrupten Ende unseres Grillversuches bis in die frühen Morgenstunden zogen heftige Böen über uns und die Tatsache, dass wir bei Niedrigwasser gerade noch 30cm Wasser unter dem Kiel hatten halfen nicht, um wirklich entspannt Schafe zählen zu können. Wir vertrieben die restliche Morgenmüdigkeit mit Aufräumen, Blog schreiben, Routenplanung und Lesen. Um ganz sicher zu gehen, dass auch wirklich alle geistig sowie körperlich bei der Sache waren, wurde noch eine Badesession ausgerufen. Also raus aus den Klamotten und rein ins erfrischende Nass.

Ganz nach dem Vorbild eines Biathlons gebot der nächste Programmpunkt Laufen. Da dies auf einem Schiff grundsätzlich schwer zu bewerkstelligen ist, wurde das Dingi startklar gemacht und kurz darauf legten wir an Land an. Dort angekommen spazierten wir durch farbenfrohe Marschlandschaften und waren abermals vom starken Kontrast zwischen Niedrig- und Hochwasser begeistert. Wir schlenderten über Wiesen und durch Heckenlandschaften und erkundeten unterwegs noch den überschaubaren Ort Newtown, welcher seinen Namen wohl in einer längst vergangenen Zeit verdient haben musste.

So kamen wir alsbald wieder bei unserem Beiboot an. Zurück auf der Cachana wurde das Dingi in Rekordzeit verstaut und wir machten uns bereit zum Ablegen. Unter Segel verliessen wir das Flussdelta und es ging los Richtung Yarmouth. Die fünf Seemeilen legten wir dank viel Wind und Mitstrom in Windeseile zurück und legten so wenig später gekonnt im Hafen an. Vier Rumcolas und zwei Schalen voller Maissnacks später, die einzig Wahren aus Ägypten, machten wir uns auf den Weg in den charmanten Ort, um unseren Proviant für die nächsten Tage aufzufüllen. Nachdem der Pflichtteil erledigt war, flanierten wir noch eine Weil durch den beschaulichen aber sehr touristisch Dorfkern von Yarmouth und passierten dabei diverse Pubs. Susanne hatte einen Geistesblitz, den sie sogleich mit der Gruppe teilte und uns darüber aufklärte, dass es offenkundig unumgänglich sei, den letzten Abend in Grossbritannien mit einem Getränk der Wahl im Pub zu ehren. Da wir schliesslich keine Kulturbanausen sind und den lokalen Gepflogenheiten Sorge tragen möchten, stimmten wir postwendend ein. Nach dem ein passendes Etablissement auserkoren war, übernahmen Nadine und Sam die Bestellung an der Bar. Ob es ihrem ausgereiften Sinn für preiswerte Angebote oder doch dem Verkaufstalent der Barfrau geschuldet war, dass die beiden am Ende mit einer viel zu grossen Menge Weisswein zurück in den Aussenbereich des Pubs liefen, wird wohl nie vollständig aufgeklärt werden können. Zufrieden mit unserem kulturellen Feingespür und dem geschlagenen Schnäppchen begaben wir uns zurück zur Cachana, wo wir den Einkauf verstauten und uns der Vorbereitung des Abendessens widmeten. Dank äusserst effizienter Arbeitsaufteilung genossen wir bald ein leckeres Mal und brachten uns heute etwas früher als gewohnt in horizontale Lage, da der Wecker uns morgen um fünf Uhr für unsere Überfahrt nach Frankreich wecken wird. Gute Nacht!

Schock! Der Wecker klingelt um 05:15 Uhr. Was wie ein übler Scherz klingt war bittere Realität, hatte aber einen guten Grund. Heute stand unser 70 Meilen Turn mit dem Ziel Cherbourg an. Mit zwei Kaffees intus machten wir uns an die Vorbereitungen zum Ablegemanöver.

Kurze Zeit später waren wir auf dem Weg Richtung Frankreich. Anfänglich hatten wir gut Wind und verliessen den Solent mit strammen 6 Knoten unter Segel. Leider bewahrheitete sich die Wetterprognose für den Vormittag und kurz darauf mussten wir den Bordmotor höflich um seine Unterstützung bitten. Mit seiner Hilfe überbrückten wir die Flaute inklusive Gegenstrom und konnten zu unser aller Freude nach ein paar Stunden wieder unter Segel gegen Cherbourg düsen.

Sam nutzte die Gunst der Stunde und machte einen “kurzen” Powernap und kam nach zwei Stündlein wieder an Deck. Genau zur rechten Zeit, denn kurz nach dem Erwachen aus seinem Dornröschenschlaf erspähte Susanne direkt neben uns eine Delfinschule, die sich auf der Jagd befand. Super toll, Delfine: Check!

Die Reise fühlte sich kurzweilig an und schon bald liess sich la belle France am Horizont erahnen. Ein paar Meilen später liefen wir im Hafen von Cherbourg ein und dieses Mal hatte Sam die Ehre, die Cachana sanft in ihren Anlegeplatz zu manövrieren. Wer uns kennt weiss, was als nächstes kam. Anschliessend musste das bei allen aufkommende Hungergefühl bekämpft werden und wir genossen ein gemütliches und nach dieser langen Reise wohlverdiente Abendessen. Bon soir a tous!