Aller Anfang ist schwierig, schnell wurde es besser

Mittwoch, 26.8.26. Selten freut man sich, wenn der Wecker um 5 Uhr morgens klingelt. Doch heute war alles anders. Freudig sprangen Nadine und Sam aus dem Bett, denn endlich ist es so weit. Unsere lang ersehnten Ferien auf der Cachana stehen an! Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk (wer uns kennt weiss, wie aussergewöhnlich das ist) verliessen wir unser vertrautes Zuhause und machten uns mit dem Bus auf den Weg Richtung Bahnhof. Noch kurz einen Kaffee to go und dann ab auf den Zug. Erster Stopp Zürich. Da uns mit unserer geplanten Verbindung in Zürich die Zeit für das Umsteigen etwas knapp erschien, schlug Nadine vor, dass es auch auf die etwas früher fahrende S11 reichen würde. Sam, geblendet von Nadines SBB-Reiseerfahrung als Vollzeitpendlerin, stimmte zu. So sassen wir also gemütlich unsere Kaffees schlürfend im Zug, vertrieben das letzte Bisschen Morgenmüdigkeit und freuten uns auf die anstehende Reise. Die Träumerei fand ein abruptes Ende, als eine Horde übermotivierter KontrolleurInnen den Zugwagen stürmte. Wir wunderten uns beide kurz über die etwas unübliche Zeit für eine Grosskontrolle, blieben aber tiefenentspannt, da wir unsere Billettes griffbereit auf unseren Handys hatten. Den QR-Code präsentierend rissen uns die Worte der Kontrolleurin aus unserer Sorglosigkeit zurück in die knallharte Realität. “Dieses Billette ist aber nicht gültig. Haben Sie nicht gesehen, dass sie ein Sparbillette gelöst haben?”. Das darf doch nicht wahrsein! Nach anfänglichem Unglauben und der Hoffnung, es handle sich um ein Missverständnis, dann die grosse Ernüchterung. Wir hatten tatsächlich ein Sparticket gelöst. Und wie alle ÖV-Profis unter euch wissen, hat man mit einem solchen keine freie Zugwahl mehr. Sam möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass er dieses Wissen auch von Nadine erwartet hätte, ist sich aber bewusst, dass er auch eine klitzekleine Teilschuld an unserer misslichen Lage trägt. Schliesslich hat er die Billettes gekauft. Da sich die Kontrolleurin in ihrem morgendlichen Übereifer leider durch keine unserer Argumente erweichen lies, kassierten wir beide eine Busse für fahren ohne gültige Fahrkarte. Wer jetzt denkt wir hätten somit 100 Franken aus dem Fenster geworfen hat weit gefehlt. Wir cleveren Sparfüchse haben mit dem Sparbillette 6 Färnklis auf die gesamte Reise eingespart. Macht dann also nur 94 Franken, was mindestens als Teilerfolg gewertet werden kann.

Mit etwas gedämpfter Stimmung, dafür ohne Stress weil wir ja eine Verbindung früher in Zürich waren, stiegen wir am HB in den TGV Richtung Paris ein. Dieser Abschnitt unserer Reise verlief ohne weitere Zwischenfälle. Wir vertrieben uns die Zeit mit Plaudern, Lesen, Musikhören und schlafen.

Oder sich schlafend stellend, denn wie sich kurze Zeit nach der Abfahrt in Zürich herausstellte, kamen wir in den Genuss von extrem redebedürftigen Sitznachbarn. Das nette Paar, ebenfalls aus der Schweiz (selbstredend könnten wir hier nun ihre halbe Lebensgeschichte wiedergeben, ersparen es der Leserschaft aber) quaselte die ganze Fahrt von doch 4.5 Stunden(!) non-stop durch. Selbstredend empfanden wir unsere Ankunft in Paris als wahre Erlösung. Da wir zwischenzeitlich noch realisierten, dass wir den von MuP bestellten Raclettekäse zuhause im Tiefkühler vergessen hatten, jagte Nadine Sam auf dem Weg zwischen Gare de Lyon und Gare Saint Lazare auf einem Eilmarsch durch die Stadt zur nächstgelegenen Fromagerie. Dort angekommen wurden unsere Hoffnungen zerschlagen als wir von den Besitzern, welche durch unsere anscheinend amüsierende Frage leicht erheitert schienen, darauf hingewiesen wurden, dass doch überhaupt nicht Raclettesaison sei. Im Laufschritt ging es somit ohne Käse wieder zurück zum Bahnhof, wo wir nach kurzem Warten infolge Verspätung unseren Zug Richtung Cherbourg bestiegen.

In Cherbourg angekommen ging es als erstes in den nahegelegen Carefour, da wir uns weigerten die Mission Raclette schon aufzugeben. Unser Durchhaltevermögen wurde schlussendlich doch belohnt und wir verliessen den Laden mit reichlich Käse im Rucksack. Darauf mussten wir natürlich anstossen. Also ab in die Innenstadt, wo wir uns ein erstes Ferienbier genehmigten, welches wir aber ziemlich hastig trinken mussten, da der Fussmarsch zum Fährenhafen doch gute 40 Minuten in Anspruch nahm. Ordentlich durchgeschwitzt dafür pünktlich bestiegen wir um 18 Uhr die Fähre Richtung Poole.

Die Viereinhalbstündige Überfahrt vertrieben wir uns mit Abendessen, schlafen und lesen. Um 22 Uhr wurden wir mit offenen Armen von den Skippern der Cachana herzlich empfangen. Der obligate Ankunftsdrink wurde zu sich genommen während wir die wichtigsten Informationen und organisatorischen Punkte besprachen. So zum Beispiel der Grund für das etwas unordentliche Unterdeck sowie die 5 seltsamen Kanister, welche etwas verloren herumstanden. Diese Geschichte sparen wir uns aber für morgen, da wir jetzt müde aber glücklich in unsere Kojen kriechen.

Während Sam noch im Tiefschlaf versunken war und Nadine sich mit ihrem ersten Morgenkaffee auf den Tag vorbereitete, zogen Susanne und Chérif bereits los, um beim lokalen Fischhändler einzukaufen. Zurück auf dem Schiff mit diversen Leckerbissen wurden diese verstaut und da nun alle wach und aufnahmefähig genug waren, der weitere Tagesablauf besprochen. Einerseits gab es die Option, noch eine Tag in Poole zu bleiben, da für heute Abend ein grosses Feuerwerk angekündigt war. Andernfalls würden wir uns zeitnah auf den Weg Richtung Isle of Wight machen und auf dem Weg die Gelegenheit haben, eindrückliche Kalksteinformationen entlang der Küste bestaunen zu können. Da die erste Option bedingt hätte, dass wir am nächsten Morgen sehr früh auslaufen müssten und die Coolness von Kalkfelsen die von Feuerwerk um Weites übersteigt, entschieden wir uns dafür auszulaufen. Somit galt es die Lebensmittelvorräte im lokalen Supermarkt weiter aufzustocken. Dieses Mal nahm sich die ganze Crew der Aufgabe an. Zurück auf dem Schiff wurde alles Verstaut, die Wasservorräte aufgefüllt und die zum späteren Verzerr eingekauften Meerschnecken in Salzwasser eingelegt. Dann legten wir ab. Ciao ciao Poole. Bereits nach 30 Minuten fahrt wurde der Anker innerhalb der hübschen Bucht von Poole geworfen und wir nahmen ein leckeres Mittagessen mit Krabben, Crevetten, Schnecken und allerlei Antipasti zu uns.

Nadine und Sam machten anschliessend den Abwasch und MuP bestrich das Deck mit einer übel riechenden Flüssigkeit, welches das Teak-Deck gegen Algenbewuchs schützen soll. Wer bis hierhin aufmerksam mitgelesen hat weiss, dass da noch 5 Kanister waren. In eben diesen Kanistern ist beziehungsweise war die übel riechende Flüssigkeit gelagert. Dumm nur, wenn einer der Kanister unbemerkt Leck schlägt und sich die gesamte Flüssigkeit in der Bilge verteilt. Genau das ist MuP nämlich kurz vor unserer Ankunft gestern passiert. Die anschliessende Reinigungsaktion hat mehrere Stunden gedauert und einiges an Nerven abverlangt. Nun wisst ihr Bescheid. Gestärkt und zufrieden ging die eigentliche Reise Richtung Isle of Wight los. Sobald wir die geschützte Bucht verlassen hatten, waren wir den Wellen und der Strömung voll ausgesetzt und wurden ordentlich durchgeschüttelt. Umso weiter wir uns vom Land entfernten desto mehr beruhigte sich die See und wir konnten den Blick auf die eindrücklichen Kalksteinklippen und das freundliche Wetter geniessen.

Anschliessend nahmen wir Kurs auf Isle of Wight. Die ungefähr 15 Meilen bis zur südlichsten Spitze der Insel legten wir dank gutem Wind und der Strömung in Kursrichtung rasch zurück. Sam wurde im Verlauf der Route allerdings immer stiller, da sich sein Magen noch nicht ganz an das im Vergleich zum spiegelglatten Untersee raue Meer des Solents gewöhnt hatte. Das kommt aber bestimmt noch. Am Südspitz der Insel empfingen uns abermals imposante Kalkfelsen, welche sich wie altertümliche Festungstürme aus dem Wasser in den Himmel schraubten.

Nach kurzer Zeit kamen wir dann auch schon in Yarmouth an, unserem ersten Stopp auf der Isle of Weight. Nach einem wohlverdienten Ankunftsdrink, Sam war zu diesem Zeitpunkt auch wieder interaktionsfähig, wurden die am Morgen erworbenen Sepias fachgerecht und höchst professionell unter Anleitung von Chat Gpt von Nadine und Susanne ausgenommen. Das darauf folgende Abendessen war köstlich und wir haben den Abend mit schönen Gesprächen und einem Schlumi ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen ging es nach den obligaten Morgenkaffees dann auch schon weiter Richtung Cowes, einer der grösseren Ortschaften der Insel. Uns wurde zugetragen, dass hier dieses Wochenende das weltweit grösste Vespa- und Scootertreffen stattfinden würde. Als wir dann, gejagt von einer der grossen Fähren, welche von Southampton hierher fahren, in den Hafen einfuhren, bestätigte sich das auch. Das riesige Schiff war voll von Zweirädern jeglicher Art und als sich die Rampe der Fähre zum Land senkte, ertönte ein wildes Orchester von Motoren. Wie wir später herausfinden sollten, war dies nicht der einzige Grossanlass an diesem Wochenende. Zusätzlich wird am Samstag und Sonntag auch noch ein Speed Boat Event sowie ein Motorboot Old Timer Treffen stattfinden.

Deshalb war es rückblickend auch wenig überraschend, dass der Haupthafen der Ortschaft uns am Funkgerät mitteilte, dass sie restlos ausgebucht waren. Wir fanden dann jedoch im gleich angrenzenden Yachthafen noch einen Platz. Nach dem traditionellen Ankunftsdrink machten wir uns auf den Weg, dass Städtchen zu erkunden. Wir flanierten gemütlich der von kleinen, herzigen Geschäften gesäumten Hauptstrasse entlang und schauten ab und an in ein Geschäft hinein.

Einige unsere Crew liessen sich die Gelegenheit nicht nehmen und erbeuteten dabei noch ein paar stilistisch hochstehende Schnäppchen. Ermüdet von der Einkaufstour aber angeregt durch die netten Interaktionen mit der lokalen Bevölkerung, brauchten wir dringend eine kleine Pause. Diese genossen wir in einem authentischen Pub und nutzen die letzten Sonnenminuten für einen Videoanruf auf der Terasse mit der Crew der Carissima Mare.

Danach spazierten wir gemütlich zurück zum Schiff. Dort angekommen war der nächste Programmpunkt dem Nachtessen gewidmet. Es gab zur grossen Freude aller Anwesenden Reis, frischen Broccolisalat sowie köstliche Seezunge. Dieser kulinarische Höhepunkt wurde sogleich auch genutzt, um Nadine und Sam die Kunst des Filetierens eines äusserst flachen Fisches beizubringen. Mit kleinen ästhetischen Unterschieden genossen wir alle ein sehr leckeres Nachtessen und den gemütlichen Abend zusammen.

Heute hat das Wetter umgeschlagen. Wir wurden von starkem Regen und Wind geweckt. Die Marina ging leider nicht auf Nadine und Sams “Bittibätti” ein und hielt an ihrer Aussage fest, dass wir von unserem geschützten Platz mitten im Hafen an die Aussenmole verlegen müssen. Wir nutzen die Wartezeit für allerlei Dinge. Es wurde gelesen, Blog geschrieben, die nächsten Tage geplant und natürlich Kaffee getrunken. Der Hafenmeister war schon seit geraumer Zeit mit der Umorganisation der Schiffe beschäftigt und als wir dann an die Reihe kamen war es natürlich so, dass der Wind 30er Böen über das Hafengelände jagte. Für unsere geübten Skipper natürlich absolut kein Problem und so legten wir kurz darauf an unserem neu zugewiesenen Platz an. An dieser Stelle möchten wir euch nicht unterschlagen, dass Nadine beim Werfen der Dampe beinahe ein unplanmässiges Bad im Hafenbecken genommen hätte. Eine halbe Stunde später kam eine französische Crew an, welche hinter uns in eine Lücke anlegen wollte. Glücklicherweise war die gesamte Crew der Cachana im Cockpit und so konnten wir eine Kollision abwenden. Unsere neuen Nachbarn kamen etwas sehr steil rein und beinahe hätten sie unser Heck gerammt. Danach kehrte wieder Ruhe ein auf der Cachana, welche aber abrupt unterbrochen wurde durch die Ankunft eines Segelbootes, welches im Päckli seitlich an uns anlegen wollte. Da der Wind unvermindert stark wehte brauchte es kurz alle verfügbaren Hände auf Deck, damit auch dieses Manöver erfolgreich verlief. Im Verlauf des Nachmittages gesellte sich noch ein weiteres Boot an unser Päckli, worauf wir neu zu dritt am Pier lagen. Nachdem die ganze Manöverei und Hektik überstanden war, kam bei allen langsam etwas Hunger auf. Daher beschlossen wir, dass es nun Zeit für ein spätes Mittagessen sei. Mit den berühmt-berüchtigten Prosecco-Eieromeletten mit Kaviar schlugen wir uns die Bäuche voll. An dieser Stelle ein grosses Lob an die Küche, das Essen ist durch das Band hervorragend. Nur eine Frage der Zeit, bis der erste Michelin Stern an der Kombüse hängt. Anschliessend übernahmen Nadine und Sam den Abwasch und MuP ging derweil im Städtchen für die kommenden drei Tage einkaufen. Nach dem Sie zurück auf dem Schiff und alle Einkäufe verstaut waren, war es endlich Zeit für den ersten Ferienjass. Sam konnte es kaum erwarten. Die Begeisterung hielt allerdings nur kurz an, denn es war anscheinend nicht allen Beteiligten klar, dass sie sich hier mit zwei gestandenen und langjährig eingespielten Gegnern angelegt hatten. Mehr oder weniger deutlich war dann auch die Niederlage von Nadine und Sam. An dieser Stelle möchte aber eine nicht näher spezifizierte Person noch anbringen, dass wohl auch das Kartenglück erheblich zum Ausgang des Spiels beigetragen hat. Ein Vorteil hatte die harte, dafür umso kürzere Jasspartie dann aber doch. Dadurch konnten wir doch noch zu einer einigermassen akzeptablen Zeit Abendessen. Heute gab es ganz einfach Brot, Aufschnitt und Käse. Geschmeckt hat es natürlich dennoch. Nach dem Abwasch und einem letzen Schlummertrunk gingen wir heute etwas früher als sonst zu Bett, da morgen das erste Mal der Wecker klingeln wird. Portmouth wir kommen!

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