Undankbare Aufgabe!!!

Liebe Freunde, liebe Leser,

Ihr denkt jetzt sicher: Was ist denn das für ein komischer Titel? Nun ja, nach den so charmanten Berichten von Sam und Nadine fällt es mir gar nicht so leicht, wieder selbst in die Tasten zu hauen! Aber ich bin ja nicht der Einzige – ihr dürft da jetzt auch mit durch. 😉 Aber versprochen, ich gebe mir Mühe!!!

Samstag, 5. September

Früh stehen wir auf. Sehr früh! Draussen ist es noch dunkel, als wir um 6.00 Uhr die Leinen loswerfen. Wir wollen den Gezeitenstrom erwischen, der uns bis nach Cherbourg tragen soll.

Entgegen den Aussagen der diversen Wetterberichte, die keinen bis kaum Wind vorhergesagt haben, können wir tatsächlich die ganze Strecke segeln. So viel zur Wettervorhersage! Ein wunderschöner Segeltag – oder besser gesagt Segelvormittag – endet bereits um 11.30 Uhr in Cherbourg.

Schon bei der Einfahrt fällt uns etwas auf: Der Hafen ist rappelvoll!

Überall liegen tolle Racer englischer und französischer Herkunft. Auf den Schiffen werden in der Sonne Segelanzüge und sogar Matratzen zum Trocknen ausgelegt. Muss wohl eine ziemlich wilde Nacht gewesen sein!

Beim Anmelden im Hafenbüro erfahren wir den Grund: Am Freitagabend startete in Cowes die Regatta nach Cherbourg. Die meisten Teilnehmer sind am frühen Samstagmorgen angekommen. Der Royal Ocean Racing Club (RORC) organisiert zahlreiche renommierte Hochseeregatten, und die Cowes–Cherbourg-Regatta gilt als traditionelles Saisonfinale.

Wir spazieren ins Zentrum, kaufen ein paar schöne Lebensmittel ein und geniessen den restlichen Nachmittag. So lässt es sich leben.

Sonntag, wie könnte es anders sein: Auch am Sonntag geht es früh los. Um 6.30 Uhr legen wir ab. Heute haben wir etwas ganz Besonderes vor!

Wir möchten nach Guernsey segeln am gefürchteten Cap de la Hague vorbei und zwischen Alderney und der Halbinsel Cotentin, durch das berüchtigte Raz Blanchard. Hier kann der Gezeitenstrom bei Springtide bis zu 10 Knoten erreichen! Zum Glück haben wir Nipptide und damit deutlich gemässigtere Verhältnisse.

Als wir das Raz erreichen, segeln wir bei gerade einmal 6 bis 10 Knoten Wind. Trotzdem zeigt unser GPS zeitweise unglaubliche 11 Knoten über Grund!

Schon bei diesen vergleichsweise harmlosen Bedingungen sehen wir kleine Wirbel und eigenartige Wellen entstehen. Da wird einem schnell klar: Bei schlechtem Wetter möchte hier wirklich niemand unterwegs sein.

Bereits um 12.20 Uhr machen wir nach 45 Seemeilen in St. Peter Port fest. Kaum zu glauben: Noch keinen ganzen Monat ist es her, seit wir genau hier die Carissima Mare getauft haben!

Am Nachmittag spazieren wir gemütlich durchs Städtchen. Weil Sonntag ist und die Geschäfte geschlossen sind, wirkt St. Peter Port fast ein wenig verschlafen.

Montag begrüsst uns mit einem Sonne-Wolken-Mix. Wir kaufen eine Tageskarte für den Bus und wollen Guernsey heute per Bus und zu Fuss erkunden.

Im Süden steigen wir aus.

Unser Reiseführer behauptet, ein Besuch der kleinsten geweihten Kapelle sei ein absolutes Muss. Also marschieren wir rund 20 Minuten bis zur Little Chapel.

Und ja: Sie ist wirklich eindrücklich!

Winzig klein, farbenfroh und mit unzähligen Muscheln, Kieselsteinen und Porzellanscherben verziert. Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier weitere Informationen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Little_Chapel

Danach geht es mit dem Bus weiter Richtung Südwesten. Dort steigen wir erneut aus und wandern rund 14 Kilometer um das Kap.

Unterwegs begegnen uns zahlreiche Überwachungs- und Verteidigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, die während der deutschen Besatzung errichtet wurden.

Dazwischen gibt es immer wieder herrliche Ausblicke aufs Meer und auf die schroffen Felsen. Man kann sich kaum sattsehen.

Natürlich finden wir auch einen schönen Platz, der geradezu nach einem Picknick ruft. Und wir wären ja schlechte Wanderer, wenn wir diese Einladung ausschlagen würden.

Nach der Umrundung des Kaps steigen wir wieder in den Bus. Unser nächstes Ziel: Cobo Bay. Das meint zumindest Susanne.

Ausgestiegen sind wir nämlich eine Bucht zu früh. Eigentlich hat es sich ein wenig anders abgespielt. Aber darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Na ja – der nächste Bus kommt in einer Stunde. Also machen wir aus der Not eine Tugend und wandern einfach dem Strand entlang.

Nach ziemlich genau einer Stunde erreichen wir das Ende der Cobo Bay und steigen dort wieder in den Bus. Perfektes Timing – oder hervorragend geplante Fehlplanung!

Wir wollen noch das nördlichste Kap umrunden. Links von uns liegt die eindrückliche Küste mit dem Meer, rechts leider ein Steinbruch, in dem blauer Granit abgebaut wird. Nicht gerade die perfekte Ergänzung zur idyllischen Landschaft.

Aber trotzdem sehr schön!

Nach der Runde steigen wir wieder in den Bus und freuen uns auf unsere Cachana.

Am Abend geniessen wir auf der Terrasse eines Pubs unsere Vorspeise: ein paar sehr leckere Austern und einen kleinen Teller glutenfreie Tintenfischringli, die ausgezeichnet schmecken.

Zurück auf der Cachana gibt es noch etwas Käse und ein Glas Rotwein.

Was will man mehr?

Der Wetterbericht hat für Dienstag viel Regen angekündigt. Und diesmal stimmt er leider ziemlich genau.

Schon früh am Morgen beginnt es kräftig zu regnen. Susanne nutzt den Tag zum Waschen und Reinigen. Da wir Ebbe haben muss Sie gefühlt bei jedem Gang 2-3 Stockwerke bewältigen und unter strömendem Regen, es waren einige Gänge!

Dieses Foto wurde zu einem späteren Zeitpunkt bei Ebbe gemacht.

Während der Skip sich auch ein etwas weniger gemütliches Tagesprogramm ausgesucht hat: Der alte Autopilot soll ersetzt werden.

Dafür müssen der Steuercomputer und der Wellensensor in der hinteren Backskiste ausgetauscht werden.

Wer unsere Backskiste kennt, weiss: Das klingt wesentlich einfacher, als es ist.

Zuerst muss die tiefe und enge Backskiste komplett ausgeräumt werden. Danach verbringt der Skip einen guten halben Tag in Positionen, die vermutlich selbst einen Yogalehrer beeindrucken würden. Irgendwie muss man ja an Kabel, Sensoren und Steuercomputer herankommen.

Schlussendlich gelingt die Operation!

Jetzt sind wir gespannt, ob die neuere Version die Wellen tatsächlich besser lesen kann als der Alte. Wir werden sehen.

Am Abend belohnen wir uns mit einem wirklich hervorragenden Menü im Restaurant Nautique. Das können wir nur empfehlen!

Mittwoch um 8.30 Uhr melden wir uns per Funk ab und verlassen den Hafen.

Unser Ziel liegt in der Bretagne: Saint-Quay-Portrieux, rund 55 Seemeilen entfernt.

Der Hafen ist für uns besonders praktisch, weil er der einzige Tiefwasserhafen in der näheren Umgebung ist. Viele andere Häfen sind mit Schleusen oder Schwellen ausgestattet und deshalb nur in einem bestimmten Zeitfenster rund um Hochwasser erreichbar.

Der Wetterbericht meldet 15 bis 22 Knoten Wind und Wellen zwischen 1,50 und 1,90 Metern, am Nachmittag abflauend. Das passt für uns. Wind und Wellen kommen von der Seite, und wir geniessen die Fahrt.

Kurz vor unserem Ziel sehen wir plötzlich ein Schnellboot auf uns zukommen.

Wir werden über Funk aufgerufen. La Douane. Der französische Zoll.

Wir werden gefragt: Woher kommen wir? Wohin fahren wir? Wie viele Personen sind an Bord?

Dann folgt die Anweisung: Segel stehen lassen und Kurs beibehalten.

Sie wollen an Bord kommen.

Vom Schnellboot wird ein Schlauchboot zu Wasser gelassen. Zu viert kommen die Zöllner längsseits der Cachana. Zwei Frauen und ein Mann steigen zu uns an Bord – bewaffnet.

Sie sind höflich und freundlich, aber natürlich wollen sie einiges wissen: Woher kommen wir? Wohin fahren wir? Haben wir Tiere an Bord? Wo bleibt die Cachana über den Winter? Haben wir Zigaretten dabei? Drogen?

Letzteres können wir glücklicherweise ziemlich eindeutig beantworten.

Natürlich wollen sie auch unsere Pässe und den Flaggenschein sehen. Danach folgt ein kleiner Rundgang durchs Schiff. Alles wird sorgfältig protokolliert und schliesslich bestätigen sie uns: Alles in Ordnung.

Wir unterschreiben das Protokoll und erhalten eine Kopie, die wir aufbewahren müssen.

Dann verabschieden sich unsere Besucher wieder.

Zum Abschied geben wir ihnen noch ein bisschen Schokolade mit.

Im Nachhinein sind wir uns allerdings nicht mehr ganz sicher, ob das wirklich so schlau war. Vielleicht haben wir damit einen völlig falschen Anreiz geschaffen:

„Ah, die Cachana! Die kontrollieren wir wieder – dort gibt’s Schokolade!“

Gegen 18.00 Uhr machen wir schliesslich in Saint-Quay-Portrieux fest.

Ein weiterer abwechslungsreicher Abschnitt unserer Reise liegt hinter uns – mit wunderbarem Segeln, 11 Knoten durchs Raz Blanchard, einigen Kilometern zu Fuss, einem Skip in der Backskiste und zum Abschluss noch bewaffnetem Besuch.

Langweilig wird es uns jedenfalls nicht.

Die Cachaneros grüssen Euch!

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