Unser Track von Falmouth nach Plymouth

Am 20. Juni war es soweit, wir machten uns auf den Weg nach Falmouth, wo wir zu Susanne und Cherif auf der Cachana stossen sollten. Da wir schon vorher eine Woche in Südengland verbracht hatten, war die Anreise relativ kurz und problemlos mit der englischen Bahn.
Auf der App konnten wir den jeweiligen Standort der Cachana verfolgen. So konnten wir feststellen, dass wir und die Cachanieros fast gleichzeitig im Hafen von Falmouth ankamen. Nach der herzlichen Begrüssung durch die Crew gab es den obligaten Willkommensdrink.

Nach kurzer Besprechung der Pläne für die nächsten Tage, machten wir uns auf zum Einkaufen. Das charmante Hauptgässchen in Falmouth lud zu einem kleinen Dorfrundgang ein. Rechts und links gab es kleine Shops aber auch urige Pubs.



Wir blieben standhaft, weder kehrten wir ein, noch wurde “gekrömlet”. Im Lebensmittelladen waren unsere Rucksäcke und Einkaufstaschen schnell gefüllt. Auf dem Rückweg wollten wir noch erkunden, wo sich das Fischrestaurant befindet, in dem Cherif einen Tisch für unser Nachtessen reserviert hatte. Diese Uebung stellte sich als schwieriger heraus, da das Restaurant nur einen kleinen Eingang hatte, der zudem nicht gut beschriftet war. Google Maps sei Dank fanden wir unser Ziel.
Zurück auf dem Schiff blieb noch genügend Zeit, damit wir uns einrichten konnten auf dem Schiff. Da das Restaurant ” Fish Cabin” gute Bewertung hat, konnten wir erst für 20.15 Uhr einen Tisch reservieren. Im Restaurant stellte sich dann heraus, dass wir trotz einer Bestätigungsmail keine Reservierung hatten. Das war nicht weiter schlimm, da es einen freien Tisch für uns hatte. Viel unerfreulicher war, als die Bedienung die verschiedenen Gerichte aufzählte, die alle nicht mehr vorrätig waren. Auch auf der Tafel mit dem “Fish of the day” waren von 4 Fischen bereits 2 ausverkauft. Cherif war sichtlich “not amused”, eher schon etwas angesäuert. Zum Glück fanden wir alle dann doch noch etwas “Feines” um unsere leeren Mägen zu füllen. Und die guten Bewertungen waren berechtigt, das Essen war sehr fein.
Zurück auf der Cachana gab es nach Wunsch noch einen Schlumi, danach verzogen sich alle in die Kojen.

21. Juni 2026
Die angesagten Winde von Osten und deren Stärke machten die Planung der nächsten Tage für den Skipper nicht einfach. Dafür sollte das Wetter in den nächsten Tagen relativ stabil schön und ca. 23 Grad warm werden. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns, in der Einmündung des Flusses Fal zu bleiben und in einem der zahlreichen Seitenarme in einer schönen Bucht zu ankern. Wir fanden ein lauschiges Plätzchen und setzten den Anker.

Nach einem kurzen Mittagessen und einem kurzen Bad im knapp 16 grädigen Meerwasser wurde das Resi aufgepumpt, und wir fuhren an Land zur Bucht des Trellisick Houses. Das Resi deponierten wir auf dem Kiesstrand und marschierten über eine grosse Wiese in Richtung des imposanten Landhauses. Auf einer Uebersichtskarte war eine Rundwanderung von 1,5 Stunden ausgeschildert.

Also machten wir uns auf den “Waldweg”. Immer wieder erhaschten wir einen Blick in einen der Seitenarme des Flusses. Gross war die Ueberraschung, als wir plötzlich einen grauen Koloss vor Anker liegen sahen. Das Ungetüm war ein Versorgungsschiff der Marine, das, wie uns der Hafenmeister später auf Nachfrage erklärte, auf seine Instandstellung oder die Abschrottung warte.

Zurück am Wasser mussten wir feststellen, dass mittlerweile Ebbe war. Nicht gut, denn so mussten wir das Resi einige Meter ins Wasser tragen, bevor es schwimmfähig war. Noch weniger gut war der Untergrund, auf dem wir gehen mussten.

Zuerst waren wir knöcheltief im Schlamm, dann wadentief, mittlerweile ploppte der Schlamm, wenn wir unsere Füsse anhoben und immer wieder stiessen wir mit unseren Füssen auf harte, spitzige Steine. Schliesslich hatten wir knietiefen Schlamm und boten durch unser wankendes Gehen und unserem Gelächter sicher ein herrliches Schauspiel für alle Leute, die uns beobachteten. Bevor wir die Beine gar nicht mehr aus dem Schlamm brachten, waren wir genügend weit draussen, dass wir ins Resi einsteigen konnten und erleichtert den Weg zur Cachana motoren konnten. Fazit dieses Erlebnisss: kleinere und grössere (Cherifs grosse Zehe) Schnitte an den Füssen, dreckige Hosen, schmutziges Resi, aber trotz allem immer noch gute Laune. Um den Schlamm loszuwerden, es war definitiv keine Fangopackung, sondern eine eher klebrige, riechende Masse, war ein Sprung ins Wasser obligat.
Das Abenteuer hatte Hunger gemacht. Der Skiper verwöhnte uns an diesem Abend mit einer überaus feinen Paella, Danke!


Die Schreibende beschloss die wunderbare Midsommernacht an Deck schlafend zu verbringen. So fand dieser wunderschöne Tag einen würdevollen Ausklang. Ueber mir der Halbmond und die vielen Sterne, das ganze in der totalen Stille der abgelegenen Bucht, einfach magisch.

22. Juni 2026
Heute planten wir einen ruhigen Tag an Bord und verbrachten ihn mit Lesen, Blog schreiben, Route planen und am Nachmittag mit einem längeren Jass. Wiederum war das Wetter schön, doch 2 kleine, kurze Regenschauer waren auch dabei.

Am Abend wurde der Grill angeworfen und wir genossen Rindfleisch und Pesto-Auberginen mit Salat und als Abschluss noch ein feines Raclette-Brot, mmmh!
23. Juni 2026
Unser heutiges Ziel war Saint Mawes, eine Bucht in der Nähe von Falmouth. Zuerst aber machten wir in der Marina von Falmouth Halt, um Frischwasser aufzutanken, Abfall zu entsorgen und vor allem um den Kühlschrank wieder aufzustocken. Schwer beladen kamen wir zurück aufs Schiff. Susanne ist eine Meisterin im Verstauen von Lebensmitteln. Irgendwie hat sie für alles ein Plätzchen gefunden, für mich fast ein Wunder.

Leider hatte es wiederum keinen Wind, so dass wir unter Motor unser Ziel ansteuern mussten.


Zuerst wollten wir vor Anker bleiben, da aber der Wetterbericht für die Nacht stärkere Winde angesagt hatte, fühlten wir uns an der Boje doch sicherer. Mit Glück ergatterten wir noch eine freie Boje, was uns alle freute. Kaum war das Boot sicher vertäut, genossen wir alle ein Bad im langsam erwärmenden Meer.
Unser Nachtessen wurde wiederum auf dem Grill zubereitet, Lamm dazu Bratkartoffeln und Broccolisalat, jammi.
24. Juni 2026
Wetter wunderbar, Wind nicht vorhanden!

Also ging’s weiter mit Motorkraft Richtung Osten. Das Ziel Fowey, ein sehr hübsches Dorf am Fowey River. Gross war die Freude und die Erwartung als wir auf dem Weg ein Fischerboot sichteten, das nicht unter Fahrt war. Unsere Frage, ob sie Hummer zu verkaufen hätten, wurde mit einem lächelnden “Ja” beantwortet. Juppiee.

Vier Stück wurden übergeben und dazu wurde uns noch Tintenfisch angeboten. Den lehnten wir aber mangels Lagermöglichkeit dankend ab. Im Flussarm bei Fowey angekommen, fanden wir eine sehr gut gelegene Boje mit schöner Sicht aufs Dorf und auf der Rückseite ein Felsband, welches von Bäumen überwachsen ist.

Auf dieser Fahrt kamen alle ins Schwitzen, da es fast windstill war und die Temperaturen auf 27 Grad kletterten. Beim Bade stellten wir dann fest, dass auch das Wasser bald gegen die 20 Grad Marke geht. Aber als Abkühlung ist es noch allemal gut. Es kam keine Langeweile auf. Wurde auch an diesem Nachmittag gejasst und wir wurden Zuschauer einer Regatta in der Fowey-Bucht. Leider hat mein Favorit ein bisschen geloost.

Die 4 Hummer verzehrten wir genüsslich als Abendessen, es war ein Schmaus.

Müde aber glücklich krochen wir zu später Stunde in unsere Kojen.

25. Juni 2026
Den heutigen Tag verbrachten wir vor Anker in Fowey. Mit dem Resi ruderten wir an den Landungssteg und machten uns auf, durch das Dörfchen zu schlendern. Enge Gässchen, schmucke Häuschen, ursprüngliche Pubs und kleine Shops prägten das Bild. Unser Plan war, einen Rundwalk von ca. 2 1/2 Stunden zu machen. Zuerst mussten wir ganz ans Ende des Dorfes gehen. So kamen wir am Rest. “Game of Cones” vorbei, das gemäss Werbung über 33 Sorten Glace anbietet. Wir waren noch nicht bereit dafür, auch war das Restaurant am Morgen noch geschlossen. Aber als Fixpunkt speicherten wir das Lokal in unseren Köpfen, wer weiss nach der Wanderung…..? Die Wanderung führte angenehm oft durch Wäldchen, was bei der Wärme (ca. 27 Grad) sehr angenehm war.


Schön war’s, mit immer wieder anderen Ausblicken,

so konnten wir z.Bsp. die Cachana von oben bewundern. Nach dem Abstieg bei Polruan lockte uns ein uriges Pub, wo wir eine verdiente Erfrischung genossen. Zurück nach Fowey nahmen wir die Fähre und bald war klar, wir wollten die Glacesorten ausprobieren. Also nochmals durch’s ganze Dorf und es hatte sich gelohnt. Die Glaces sind absolut empfehlenswert.
Die Wahl des Abendessens nahm uns der Wettergott ab, es braute sich ein Gewitter zusammen. Schnell war alles ins Trockene gebracht und wir assen ein sehr feines Raclette.

Das Gewitter traf uns nur am Rand, aber Regen gab es die ganze Nacht hindurch immer wieder.
26. Juni 2026
Heute war ein Segeltag angesagt.

Wir wollten Richtung Osten über Plymouth hinaus nach Salcombe segeln. Es klappte wunderbar, und wir nahmen gut Fahrt auf. Beim Aufziehen des Genacker gab es ein kleineres Malheur, auf Landrattendeutsch: zuerst ein Knuddelmuddel beim Segel und dann ein Chrüsimüsi bei den Seilen.

Aber die Bootsfrau hatte bald alles wieder im Griff, und es konnte weitergehen. Plötzlich war Flaute und das zusätzliche Segel musste wieder eingezogen werden. Mit Motorhilfe liefen wir dann in Salcombe ein, wo uns der Harbour Master anwies am ersten Pontoon im Päckli bei einem anderen Boot anzulegen.
Heute war wieder Grill angesagt, Rind mit Auberginen und Kefen, dann als Abschluss noch ein Raclette Brötli, lecker!

27. Juni 2026
Nach einer ruhigen Nacht am Pontoon genossen wir unseren ersten Kaffee erneut bei Sonnenschein an Deck und schmiedeten Pläne für die Weiterfahrt. Für die Cachana war ab Sonntag ein fixer Hafenplatz in Plymouth reserviert, da Susanne und Cherif für ein Paar Wochen zurück in die Schweiz reisen werden. Vielleicht noch einmal ein Plätzchen in einer ruhigen Bucht, wo wir nochmals baden können?



Da die Winde gut angesagt waren, entschlossen wir uns, unter Segel Richtung Plymouth zu segeln und dort einen lauschigen Ankerplatz zu suchen. Susanne prüft jeweils diverse Wetterapps und alle sagten guten Wind von Süd an. Aber derjenige, der fürs Wetter/Winde zuständig ist, kennt all diese Apps nicht oder er hatte keinen guten Tag. Der Wind wehte von Ost. Also war wieder einmal motoren angesagt. In der Einfahrt zur Bucht von Plymouth fanden wir ein gutes Ankerplätzchen und genossen ein Potpourri aus dem Kühlschrank, aus dem wir ein feines Curry zubereiteten, sehr fein!
In der Nacht schaukelte es während ca. 2 Stunden stärker (mindestens für mich war es stärker). So kam mein E-Book zum Zuge, bis es wieder etwas ruhiger wurde.
28. Juni 2026
Eigentlich wollten wir noch einen kleinen Spaziergang machen und erst am Nachmittag durch die Schleuse zum Sutton Harbour fahren.



Aber es kam anders…..Cherif hatte seit zwei Tagen eine Entzündung am Fuss (vermutlich ein Insektenstich) der trotz der Umsorgung durch die Bordfrau einfach nicht bessern wollte. Also auf zur Schleuse und zum reservierten Hafenplatz. Was dann folgte, war eine bürokratische Odyssee. Zuerst machten wir nach 20 Minuten in der Warteschlange beim Notfallservice des National Health Service ein komplettes Assessment per Telefon. Die hilfsbereite Dame verwies uns dann an die nächstgelegene Apotheke. Dort war Warten angesagt, bis doch noch jemand den Fuss sehen wollte. Der vermeintliche Arzt bestätigte, dass dies ein Antibiotika erfordere, er das aber nicht abgeben dürfe, da wir aus der Schweiz seien. Wir sollen zum Notfall. Dort müsse ein Rezept ausgestellt werden und eventuell müssten wir mit dem Rezept wieder zurückkommen, um das Antibiotika abzugeben…….., einfach nur nervig! Also per Uber zum Notfall, dort hiess es: Wartezeit ca. 4 Stunden. Ich erklärte der Dame, dass wir alles Nötige schon über die Notfallnummer angegeben hätten und auch in der Apotheke klar gesagt wurde, es benötige ein Antibiotika. Sie hatte kein Einsehen oder konnte uns ganz einfach nicht entgegenkommen. Sie riet uns nach 2 Stunden zu telefonieren, vielleicht wäre dann die Wartezeit geringer……., wer’s glaubt!
Euch über die Auflösung dieser Episode mit dem englischen Gesundheitssystem zu berichten, überlasse ich Susanne und Chérif. Unser Aufenthalt auf der Cachana neigt sich nämlich dem Ende zu. Heute noch ein feines Nachtessen in einem gebuchten Lokal, dann alles Packen und Morgen ab nach London zum Flieger.
Wir haben unsere Zeit an Bord sehr genossen, es war einfach wunderbar. Für die liebevolle Gastfreundschaft bedanken wir uns herzlichst und freuen uns darauf, wieder einmal mit euch zu segeln.
Ursi und Franz